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Okka von der Damerau © Michael Lieb Okka von der Damerau $copy; Michael Lieb

Francesco Angelico © N. Klinger Francesco Angelico $copy; N. Klinger

8. Sinfoniekonzert

Werke von Bellini, Wagner / Mottl und Schönberg

Bellini und Wagner in einem Konzert? Das mag auf den ersten Blick verwunden. Stehen hier nicht musikalische Italianità gegen deutsche Bedeutungsschwere? Richard Wagner selbst war darüber durchaus anderer Ansicht. Er rühmte Bellini die unendliche Melodie nach, die der Italiener anscheinend mühelos aus sich herausspann: Hochspannungslinien einer musikalischen Schönheit, die bis in die Endlosigkeit hinein niemals welken wollte. Wagner selbst entsann sich rühmend dieser einzigartigen Fähigkeiten des Italieners, als er sich an die Niederschrift des Duetts im zweiten Akt von Tristan und Isolde machte. Doch damit längst nicht genug. Wagner kam am Bayreuther Salontisch immer erneut auf Bellini zu sprechen. Mehr noch: Er spielte ihn am Klavier seinen Gästen vor. Sein Urteil: »Das ist bei aller Pauvretät wirkliche Passion und Gefühl, und es soll nur die richtige Sängerin sich hinstellen und es singen, und es reißt hin. Ich habe davon gelernt, was die Herren Brahms & Cie nicht gelernt haben, und was ich in meiner Melodie habe.«
Im Züricher Exil lernt Wagner die Kaufmannsfamilie Wesendonck kennen und beginnt eine Liebesbeziehung mit Mathilde Wesendonck. Er schreibt für sie eine Klaviersonate und vertont fünf ihrer Gedichte an ihn. Die Wesendonck-Lieder spiegeln Wagners zwiegespaltenen seelischen Zustand wieder, der zwischen überschwänglicher Euphorie und wahnhafter Bedrücktheit schwankt. Mathilde Wesendonck entlockt jedoch dem großen Opernkomponisten sanfte Töne und so entstehen, ungewöhnlich für sein sonstiges Œuvre, die Fünf Lieder für eine Frauenstimme. Das Fortleben der Wesendonck-Lieder findet in Wagners Handlung in drei Aufzügen Tristan und Isolde statt. So nennt er das dritte und fünfte Lied auch »Studien zu Tristan und Isolde«.
Eine alte Tragödie: zwei unglückliche Liebende, die in dieser Welt nicht zueinander finden können. Nein, dieses Mal nicht Tristan und Isolde. Kein Drama hat jemals so viele Komponisten inspiriert wie Pelleas et Melsiande des Symbolisten Maurice Maeterlinck. Drei Musiker vertonen das Theaterstück fast zeitgleich, ohne die Musik der jeweils anderen zu kennen. Arnold Schönberg plant erst eine Oper, schreibt dann aber eine 40-minütige sinfonische Dichtung. Sein op. 5 ist eines seiner romantischen Werke.

Vincenzo Bellini: Sinfonia zu Norma
Richard Wagner /
Felix Mottl: Wesendonck-Lieder WWV 91
Arnold Schönberg:
Pelleas und Melisande Sinfonische Dichtung op. 5

Aufführung
04.06.18, 20.00
Staatstheater Kassel, Friedrichsplatz 15, KasselHessen0561/1094222
Stadthalle