© N. Klinger © N. Klinger

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Theaterwerkstätten und Probenzentrum

Wer aufmerksam durch die Stadt streift, dem ist dieses Fahrzeug sicher schon einmal ins Auge gefallen: der grüne Lkw des Staatstheaters Kassel. Und vermutlich wird sich der eine oder andere Beobachter gefragt haben, wohin dieser Wagen eigentlich fährt und vor allem: was er transportiert.

Die Antwort liegt in Bettenhausen. Dort befinden sich seit acht Jahren die Theaterwerkstätten und das Probenzentrum des Staatstheaters Kassel, kurz und liebevoll TuP genannt. In den Neubau und das dahinter liegende ehemalige Fabrikgebäude zogen nicht nur der Kostümfundus und das Möbellager ein; auch Schreiner, Schlosser, Maler und Dekorateure (insgesamt 29 Angestellte) erhielten dort einen neuen Arbeitsplatz.

Ihr Chef ist Harald Gunkel, der Werkstattleiter. Und von ihm ist zu erfahren, dass im Mittelpunkt der Tätigkeit das Bühnenbild für die jeweils aktuellen Produktionen steht. Noch bevor die eigentliche Arbeit losgehen kann, wird diskutiert, was vom Konzept des Bühnenbildners realisierbar ist. So manche Idee sei, erzählt Gunkel, leider nicht exakt in der Art umsetzbar, wie sie ursprünglich gedacht war. Also tüfteln er und seine Mitstreiter so lange daran herum, bis sich eine respektable Alternative auftut. Bei der Planung müssen die Handwerker zudem bedenken, dass sie für jedes Bühnenbild nur einen gewissen Zeitraum zur Verfügung haben. Die gesamte Arbeitszeit an einem Bühnenbild liegt bei bis zu zehn Wochen; davon sind allerdings nur drei Wochen Bauzeit.

Damit nicht genug: Bühnenbilder sind im Laufe einer Spielzeit erheblichen Belastungen ausgesetzt. Ständig werden sie auf- und abgebaut, doch noch bei der letzten Vorstellung sollten sie so aussehen, als seien sie soeben erst fertiggestellt worden. Eine große Herausforderung, wenn man weiß, dass in den Werkstätten parallel an fünf bis sechs Stücken gearbeitet wird. Noch während für Straussens DIE FLEDERMAUS, das Kinderstück DREI HASELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL und das Tanztheater ICH BIN DU geschreinert und gemalt wird, laufen bereits die Planungen für die Bühnenbilder zu Händels Oratorium SAUL und Schillers Drama DIE JUNGFRAU VON ORLEANS.

Bei sämtlichen Produktionen wird zusätzlich noch ein Probebühnenbild angefertigt, damit die Schauspieler und Sänger bei den Proben in etwa die gleichen Bedingungen wie später auf der Bühne vorfinden und sich so besser in die jeweiligen Situationen des Stückes einfühlen können. Die Planung ist damit aber noch lange nicht abgeschlossen. Denn bei der Anfertigung muss noch ein kleiner, aber wichtiger Umstand berücksichtigt werden: Die Einzelteile des Bühnenbildes dürfen nämlich auf keinen Fall die Maße von zwei Metern Höhe und sechs Metern Länge überschreiten. Sie würden ansonsten nicht in den Lkw hinein passen.

Sprich, insbesondere die Schreiner sind gefordert. Denn sie sind es, die den Holzrahmen für die Wände der Kulisse oder Treppen herstellen, und Nachbauten von Möbeln anfertigen, wie beispielsweise ein Sofa im Bauhaus-Stil. Die Nachbildung solcher Möbel ist immer dann erforderlich, wenn die gewünschten Stücke nicht im Lager vorhanden sind und eine Neuanschaffung zu teuer wäre.

Gleichfalls gefordert sind, wenngleich ganz unterschiedlich, die Mitarbeiter in der Schlosserei. Hier werden die komplexen Unterkonstruktionen für die Kulissen gebaut, die dafür sorgen, dass die Bühnenbilder auch stärkeren Belastungen standhalten. Diese Konstruktionen müssen ab-
solut sicher sein, damit die Künstler auf der Bühne zu keinem Zeitpunkt irgendeiner Gefahr ausgesetzt sind.

Szenenwechsel. Ein riesiger Saal. Die Wände sind mit Bildern und Schildern behangen; eines davon verrät, wer hier arbeitet: »Des Malers Freud und Leid – das ist die Trockenzeit«. In diesem Raum wird alles gemalt und bestrichen, was auf die Bühne kommen soll: Tapeten in verschiedenen Farben und Mustern, aufwändige Figuren, stilisierte Möbel. Auch den Wünschen der Bühnenbildner nach Kopien berühmter Kunstwerke kommen die Maler nach. Sie vergrößern diese dann so, dass selbst der Zuschauer in der letzten Reihe das zitierte Gemälde erkennen kann. Besonders imposant: ein gigantischer Pudelkopf.

Im Kaschierraum modelliert einer der drei Kunstfachleute aus einem riesigen Styroporblock den dazu passenden Korpus. Mitsamt dem Kopf wird das edle Styropor-Tier schlussendlich gut drei Meter hoch sein – und seinen großen Auftritt dann in der Operette DIE FLEDERMAUS haben.

Wenn abends mal keine FLEDERMAUS-Vorstellung ist, kommt der Pudel in die Lagerhalle. Dort befinden sich alle Bühnenbilder jener Produktionen, die noch nicht abgespielt sind und im Laufe der Saison wieder aufgenommen werden. Wie zum Beispiel die Figur der heiligen Maria, die ebenfalls ein Werk der Kascheure ist und auf ihren erneuten Einsatz im Sommertheater URFAUST wartet. Doch es werden nicht nur Gegenstände aus Produktionen eingelagert, die in dieser Spielzeit noch fest eingeplant sind, sondern auch Grundteile, die noch einmal eingesetzt werden können: schwarze Wände in verschiedenen Größen, Türen und Säulen.

All das, was im Bühnenbild mit Stoff zu tun hat, findet man in der Dekorationsabteilung. Zu den Hauptaufgaben der Dekorateure zählt es, die von den Schreinern gebauten Stühle und Sofas zu polstern und zu beziehen. Des Weiteren kümmern sie sich um die Herstellung von Vorhängen, Kissen und Fußbodenbelägen.  Gleich nebenan öffnet sich die Tür zu einem mit Stühlen und Tischen überfüllten Raum: dem Möbellager. Hier türmt sich so ziemlich alles: vom Sofa über Betten bis hin zu dem selbst gebauten Bauhaus-Sofa und Omas altem Küchenschrank.
Ein Stockwerk höher, im Fundus, reiht sich dann Kleiderstange an Kleiderstange, und dies in einem Raum, der an die Größe einer Turnhalle herankommt. Im Laufe der Zeit haben sich Tausende von Kostümen angesammelt – von der Toga eines Römers über barocke Prachtroben, Fräcken, Anzügen und Hemden bis hin zu Tier- und Fantasiekostümen. Theater eben. Und wenn man das weiß, weiß man auch, was sich hinter den Wänden des grünen Lkws wohl verbergen mag, der tagein, tagaus durch Kassel düst …

Marie Gottschalck
Jahrespraktikantin der Presseabteilung 2013/2014

Das TuP befindet sich in Bettenhausen, Vor dem Osterholz 12.

Erschienen im Theatermagazin 40