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Jazz im tif

Red Planet CH/F
Klavierquartett
Besetzung

Besetzung am 01.02.12, 20.15 Uhr


Gastspielbetreuung: Dr. Thorsten Teubl

Manuel Gesseney (Alt-Saxophon), Mathieu Rossignelly (Flügel), Francois Gallix (Kontrabass), Nicolas Serret (Schlagzeug)

Handwerklich mit dem Allerfeinsten ausgestattet halten sich die vier jungen Wilden aus Genf und französischer Umgebung nicht lange mit dem Kleingedruckten des Jazz auf. Sie schalten sofort den Turbo ein. Mit Leichtigkeit wird, ohne bloße Kopie zu sein, die Schwerkraft der tonangebenden Vorbilder überwunden. In wenigen Tönen und Stimmungen schafft Red Planet sich eine eigene Galaxie. Dort kreist alles um den Zentralstern: optimales Klangkörper-Kollektiv. Seine »Geburt« feiert das Quartett im Urknall des modalen Jazz. An dieser Entwicklung einer skalenbetonten Improvisationsästhetik – wie wir sie besonders von der indischen Musik kennen - hatte GEORGE RUSSELL mit seinem musiktheoretischen Werk »Lydian Chromatic Concept of Tonal Organization« (1953) einen wesentlichen Anteil. Der Missing Link zu den anderen Lichtgestalten MILES DAVIS und JOHN COLTRANE war bei den Aufnahmen zu „Kind of Blue“ (1959) nach seiner Zusammenarbeit mit RUSSELL der Pianist BILL EVANS. Die Titel von Red Planet sind bei aller melodisch-skalaren Trunkenheit energiegeladen bis zum Anschlag. Das offene Geheimnis liegt in der präzisen und ausgewogenen Einheit der Rhythmusgruppe, die die Harmonien in den groovigen Brennpunkten bündelt. Intensive Soli heizen die teilweise tranceartige Post-Bop-Stimmung weiter auf . Das Klang- & Lichtspektrum reicht von blaugetönten Balladen bis zu leuchtend orangefarbenen Uptempo-Sternschnuppen. Spannung und Energie werden einerseits meisterhaft langsam kon- zentrisch aufgebaut oder folgen eruptivartig auftretenden Afro- und Latinclaves. In jedem Fall passt zwischen die melodieführenden und harmonie-rhythmusgebenden Bandteile kein Millimeter. Diese Musiker sind optimal aufeinander abgestimmt. Sie haben einen nahezu perfekten Sound im Zusammenspiel aller zentrifugalen und –petalen Kräfte im »imaginären Gestirn« der Improvisation. Jeder Musiker schwirrt selbstständig auf seiner Bahn um den Mittelpunkt. Doch wie in den Sonnensystemen hält das Gleichgewicht der Kräfte sie fest zusammen.
Herausgekommen ist eine CD von purer strahlender Energie. Besondere Kennzeichen sind die Konzentration auf das Wesentliche von den Ruhemodi der Balladen bis zu den swingenden Highspeed-Kometen.
Kontrollierte Feurigkeit und konsensuelle Tiefen- schärfe im Umgang mit den bi- und ternären Jazzkonstanten charakterisieren Red Planet. Oder man sagt einfach respektvoll den Hut ziehend: »best Modern-Jazz reloaded«!

Aus der Reihe:

Jazz im tif

Präsentiert vom Förderverein Kasseler Jazzmusik e. V.