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Hörsturz © Hörsturz $copy;

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Jazz im tif

A Sketch of BREL
Gruppe HÖRSTURZ spielt Jacques Brel
Besetzung

»Gruppe HÖRSTURZ « spielt die Musik von Jaques Brel
Hub Hildenbrand - Gitarre, Jan Roder - Bass, Reinhard Brüggemann - Drums

Dass sich ein Jazztrio, dem urbanen, zeitgenössischen Klangidiom zugewandt, nun ausgerechnet den belgischen Chansonnier Jacques Brel zum Thema macht, der in den 1950er und 60er Jahren als Darsteller und Sänger seiner anspruchsvollen Texte zu Weltruhm gelangte, ist schlicht ungewöhnlich.
Während Sänger und Schauspieler wie Klaus Hoffmann und Dominique Horwitz hierzulande das eigentliche Erbe des 1978 verstorbenen Brel lebendig halten, unterläuft die Gruppe HÖRSTURZ mit ihrem völlig anderen Ansatz die üblichen Erwartungshaltungen. Sie beschränkt sich auf das musikalisch überlieferte Material, dessen sie sich kritisch annimmt und es auf die aktuelle Ebene moderner, zeitgenössischer Musik hebt.
Das nun ist der deutlich schwierigere Weg, weil Brel ohne Worte sich vermeintlich nicht darstellen lässt. Legendär waren Brels Auftritte voller Hingabe und Intensität, die gestische Wucht seines Vortrages, die poetischen Texte. Das begründete seinen Ruhm, nicht seine Musik. Indem die Gruppe HÖRSTURZ die Musik des Jacques Brel ohne Gesang bearbeitet, thematisiert sie eine Facette der Kunst Brels, die nicht das Zentrum seines Mythos´ bildet. Die Beschränkung auf den allein musikalischen Gehalt der Chansons öffnet eine neue Dimension der Auseinandersetzung mit Brel. Auch in seiner Musik liegt etwas Unverwechselbares, HÖRSTURZ entdeckt in ihr Räume für neue Ausdeutungen. Das Trio nähert sich den historischen Vorlagen voller Respekt, aber die Absicht ist, sie zur Grundlage moderner, improvisierter, eigener Musik zu machen.

In Kenntnis der Lebensgeschichte Brels, der Texte seiner Chansons, entsteht in der Interaktion des Jazz-Trios etwas völlig Neues. In der freien Annäherung an seine Musik, im improvisatorischen Spiel der drei Instrumente, erhält die von Brel entwickelte Musik neue Ausdruckskraft. Suchend, tastend erarbeitet sich HÖRSTURZ das musikalische Material. Im gemeinsamen Musizieren wird reflektiert, meditiert und im schöpferischen Zeitfluss neue, emotionsgeladene „Räumlichkeit“ kreiert. Dieser prozesshafte, musikantische Umgang der Jazz-Musiker mit den Brel´schen Kompositionen bewirkt Schründe, Kerben, Abschabungen und Freilegungen. Verletzlichkeit, empfindliche Zärtlichkeit, Leidenschaft und Abgeklärtheit werden in Brels Musik deutlich.

Die Bearbeitung durch die Gruppe HÖRSTURZ ergibt keine Stromlinien-Musik; sie ist entspannt und poetisch, gleichzeitig leidenschaftlich und schroff. Sie skizziert einen einzigartigen Künstler, der als naiv und durchtrieben, verführerisch und aggressiv, bescheiden und hochmütig beschrieben wurde. Der als Mensch voller Widersprüche litt und lebte, aber auch aus diesen eine faszinierende Lebendigkeit schöpfte. Indem die Gruppe HÖRSTURZ diese spezifische Emotionalität freilegt und neuzeitlich entfaltet, wird Jacques Brel – ein Vierteljahrhundert nach seinem Tod – wieder zum Zeitgenossen.   

Aus der Reihe:

Jazz im tif

Präsentiert vom Förderverein Kasseler Jazzmusik e. V.

 

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Staatstheater Kassel, Friedrichsplatz 15, KasselHessen0561/1094222
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