Das blaue Licht / Dienen ©

Vorkoster

Schülerinnen und Schüler, die gerne Theater schauen, erhalten von uns zwei Freikarten, wenn sie uns im Gegenzug eine ehrlich gemeinte Kritik zu der gesehenen Inszenierung schreiben. Ausgewählte Kritiken veröffentlichen wir hier auf unserer Website.

Wer Interesse hat, als VORKOSTER Theaterkritiken zu verfassen, kann sich unter melden.

Tschick
REZENSION VON ÇAĞLA ŞAHIN, HERDERSCHULE KASSEL

»Sieht aus wie ein Schuhkarton, ist aber wirklich ein Auto!«, stellt Tschick uns seinen Lada Niva vor. Mit dem »geliehenen« und nicht geklauten Lada machen sich die beiden 14-jährigen Jungen Maik Klingenberg (Christoph Förster) und Andrej Tschichatschow, kurz Tschick (Peter Elter), auf den Weg nach Rumänien, in die Walachei. 
Das Stück »Tschick« begeistert am 25.10.2015 im tif eine Vielzahl an Zuschauern. Basierend auf dem Jugendroman von Wolfgang Herrndorf mit gleichnamigem Titel, inszeniert Phillipp Rosendahl ein Stück mit großem Unterhaltungswert. 
Das Auto ist nur »geliehen«, das Handy wird aus dem Fenster geworfen und die Karte wird nicht mitgenommen, da Karten für »Muschis« sind. So machen die beiden sich auf den Weg. Maik, der zunächst ein recht langweiliges Leben führt, erlebt mit Tschick auf seiner Reise Richtung Walachei eine ganze Reihe an spannenden Abenteuern. Dargestellt wird das »unterwegs sein« dabei mit einer Drehscheibe mitten auf der Bühne, auf der die Darsteller mal rennend, mal liegend unterwegs sind. Damit es auf der Fahrt nicht zu langweilig sei, wurde natürlich auch die Kassette von Richard Claydermann mit Panzerband an dem »Lada« befestigt. 
In einem Sturm aus witzigen Sprüchen und verrückten Menschen, die den beiden auf ihrer Reise begegnen, kommt das Publikum aus dem Gelächter gar nicht mehr heraus. Viel zu gewitzt und authentisch sind die Darsteller, die zwar nicht wie 14-jährige aussehen, sich aber in den nahezu zwei Stunden Spielzeit so benehmen. Durch das Durchbrechen der 4. Wand bekommt der Zuschauer das Gefühl hautnah bei der Reise von Maik und Tschick dabei zu sein und hofft insgeheim, nicht bei einer der Wasserschlachten ebenfalls nass gemacht zu werden. Nach dem Prinzip der »kommunalen Röhre« wird der Lada wieder aufgetankt und die Reise geht weiter, mit einer verrückten Isa, einem etwas anhänglichen Horst Fricke und der Flucht vor der Polizei. 
Sehr authentisch sind auch Maria Munkert und Uwe Steinbruch in ihren Rollen. Beeindruckend ist es zu beobachten, wie sie von der einen in die andere Rolle schlüpfen und somit Mutter, Vater, Isa, Fricke und noch viele mehr spielen.
Ein besonders witziger Moment ist die Inszenierung des Kostümwechsels als Modenshow, sodass das Publikum es kaum erwarten kann das nächste originelle Outfit der Jungen zu begutachten. Ob mit Klebeband im Gesicht oder Federschal um den Hals, Brigitte Schima (Kostüm) hat uns mit ihren Ideen für sich gewonnen.Dennoch bleibt die Wichtigkeit, dass es sich um zwei pubertierende Jungen handelte, die man Zuhause vernachlässigt und die ihre eigene Persönlichkeit noch entwickeln, in dem Stück nicht verloren.
Das Stück ist sehr unterhaltsam und witzig. Die Inszenierung ist jedem zu empfehlen, der bei einem interessanten und lustigen Stück ausgelassen lachen möchte.Kommende Vorstellungen sind leider schon ausverkauft.

KABALE UND LIEBE
REZENSION VON ÇAĞLA ŞAHIN, HERDERSCHULE KASSEL

»Du Luise, ich und die Liebe!«, sind die Worte Ferdinands an Luise, die schon an den Grenzen ihrer Hoffnung ist. 
»Kabale und Liebe« von Friedrich Schiller thematisiert die romantische Liebe zwischen der Musikantentochter Luise Miller (Michaela Klamminger) und dem Präsidentensohn Ferdinand von Walther (Jonas Grundner-Culemann). Jene Liebe ist ihnen aber nicht gegönnt. Musiker Miller (Matthias Fuchs) und seine Frau (Eva-Maria Keller) wollen nur das Beste für die Tochter, so unterschiedlich die Definitionen des »Besten« auch ausfallen mögen. Der Vater ist gegen die Beziehung seiner Tochter. Die Gesellschaft versucht somit die Liebe zwischen Ferdinand und Luise zu zerstören. Auch ist Ferdinands Vater (Enrique Keil) gegen die Liebe seines Sohnes, jedoch mit anderen Motiven: Aus gesellschaftlichen und machpolitischen Gründen ist es der Vater Ferdinands selbst, der mit der Hilfe seines Sekretärs Wurm (Phillip Reinhard) einen Keil zwischen Luise und Ferdinand zu stoßen versucht. Die Mätresse Lady Milford (Ingrid Noemi Stein) soll den Sohn des Präsidenten heiraten, des Ansehens wegen. Intrigenspielereien um Ferdinand von Luise zu trennen. Ein gefälschter Liebesbrief von Luise an den Hofmarschall von Kalb (Franz Joseph Strohmeier) muss her, um Ferdinand in die blinde Eifersucht zu treiben. Doch Eifersucht und Wut können unglaubliche Ausmaße annehmen.
Gesellschaftskritisch und zeitlos, ist das Schauspiel von Markus Dietz inszeniert worden. Die Premiere von »Kabale und Liebe« war am 17.10.2015 in Kassel. 
Zunächst hat man als Bühnenbild ein nettes kleines Stübchen, in das man als Zuschauer optimalen Einblick hat. Die Stube stellt das Zuhause des Musikern Miller und seiner Familie dar. Luise in ihrer Sehnsucht nach dem Geliebten schreibt nach einem kurzen Moment ohne Aktion auf der Bühne und dem schieren Einblick in das Zuhause ihres Vaters »FERDINAND« in großen blutigen Buchstaben an die weiße Wand hinter ihr. Durchbrochen wird diese Wand kurz darauf von dem Geliebten, das Schauspiel kann beginnen. Ein wahnsinnig interessanter Einstieg, der den Zuschauer sehr neugierig auf das Folgende macht.
Der gesellschaftliche Status der Figuren ist während des Spiels unschwer zu erkennen. Das Kostüm edel und elegant, für den Edelmann und die Edeldame, wie zum Beispiel das wunderschöne schwarze Abendkleid der Lady Milford. Die Kostüme aber einfach, für das niedere Bürgervolk, wie das einfache weiße Kleid von Luise. Die Reinheit von Luises Herzen wird kenntlich gemacht durch das schlichte Kleid, doch es wird beschmutzt mit »blutiger Farbe«, so wie auch ihr Herz von der Gesellschaft beschmutzt werden wird.
Der Bühnenraum als Symbol. Ines Nadler (Bühne) schafft es mit ihrer Bühnenkonzeption die Liebe Ferdinands und Luises beeindruckend darzustellen. Distanz der Herzen oder auch ein Keil zwischen den Liebenden: Die Bühne bildet eine räumliche Distanz zwischen Ferdinand und Luise oder es entsteht gar eine Schlucht zwischen beiden, die durch das Herunterfahren der Bühne gezeigt wird. Der gefälschte Liebesbrief wird an die Wand geschrieben, über das blutige »FERDINAND« und kurz darauf wird die Bühne von ebendiesem mit einem Stuhl zerschlagen. Symbolisch für ein zerschlagenes Herz. Großartig!
Für besseres Verständnis des Bühnengeschehens ist es ratsam, sich eine Textgrundlage durch Lesen des Schillertextes zu schaffen. In der Inszenierung wird viel Textmaterial genutzt, wodurch sie zeitweise schwer verständlich wird. Zu kritisieren ist an dieser Stelle, dass es sicher nicht im Sinne Schillers gewesen ist, seine Figuren »scheiße« oder »ähm« sagen zu lassen.Das Stück ist trotz des vielen Textes sehr dynamisch und viel in Bewegung. 
Das Gefühl, das beim Anschauen entsteht ist dabei ein eher bedrückendes. Als Zuschauer spürt man regelrecht die Verzweiflung von Luise und leidet unter dem Druck, der durch die Gesellschaft auf sie wirkt, mit ihr mit. 
Leider blieben bei dieser Vorstellung viel zu viele Plätze unbesetzt. Das Stück wird noch gespielt. Sehenswert!

DIE SCHUTZBEFOHLENEN
REZENSION von Çağla Şahin, Herderschule Kassel

»Es gibt keinen Allaufnehmenden. Da könnte jemand eher das All bei sich aufnehmen, als uns, nichts und niemand nimmt uns auf, das ist unerhört! Und unerhört bleiben auch wir.«, ruft der Chor der Asylsuchenden uns zu.
Als Reaktion auf das Ereignis im Refugee Protest Camp Vienna, ein Zeltlager vor der Wiener Votivkirche, schrieb Elfriede Jelinek »Die Schutzbefohlenen«. Im August 2013 versuchten 60 Asylsuchende dort auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen. Dabei bezieht sich das Werk von Jelinek zusätzlich auf das tragische Drama Aischylos, namens »Die Schutzflehenden«. 
Inszeniert von Philipp Rosendahl hatte das Stück am 16. Oktober 2015 im tif Premiere. So bekommt der Chor der Asylsuchenden mit den Darstellern Sabrina Ceesay, Christoph Förster, Bernd Hölscher, Thomas Spekelsen und Uwe Steinbruch am 15. November 2015 erneut eine Stimme.
Die Handlung ist dabei nicht in Akte oder Szenen einzuteilen. Mit einer sprach-und bildgewaltigen Darstellung werden dem Zuschauer die Ausgangssituationen der Sprechenden, die Geschichten ihrer Familien und ihre Fluchtgeschichten zunächst einmal dargelegt. Des Weiteren thematisieren die Asylsuchenden die Menschenrechte eines jeden Bürgers. Von der Menschenwürde über die Meinungsfreiheit hinüber zur allgemeinen Freiheit eines Menschen. Ungerechtigkeit gegenüber Sprechenden sowie die Kritik an der EU-Politik spielen ebenfalls eine große Rolle. Doch am deutlichsten spüren die Zuschauer die Hoffnungslosigkeit der Flüchtlinge in ihrem Streben nach Asyl.
Um uns den Eindruck eines Kircheninnenraums zu vermitteln, wird das tif zu ebendiesem umgebaut. Als erstes sehen wir eine Art Kasten auf der Bühne, wo uns einer der Sprecher die fünf Grundprinzipien der Verfassung auf Englisch vorstellt. Doch auch danach bekommen wir noch keine weiteren Darsteller zu sehen, aber zu hören. Erst nach einigen Minuten öffnet sich ein Vorhang vor dem Kasten und wir bekommen einen Einblick in dessen Inneres. Zu sehen sind die Gebetsbänke einer Kirche, sowie eine Statue in der Mitte des Raumes. Die Darsteller sind dabei aber nicht zu erkennen, da sie alle unterschiedliche, riesige, tierartige Masken auf dem Kopf haben. So wird die Symbolik des menschenunwürdigen Umgangs der Regierungen mit den Asylsuchenden verbildlicht. Die Masken sind sehr eindrucksvoll und werden erst nach einiger Zeit abgenommen. Auch die Ähnlichkeit, der Kostüme ist auffällig. Zwar tragen die Darsteller nicht alle genau dasselbe, doch sind sie in ähnlichen farbenfrohen Anzügen.
Trotz hoher Textlastigkeit hat das Stück sehr viel Dynamik, da die Darsteller in ständiger Bewegung durch den Raum sind und in einer Szene tanzend ihre Rollen weiter spielen. Durch den vielen Text ist das Stück aber keineswegs trockener Stoff. Durch die Bildgewalt der Sprache bekommt das Gesagte einen Nachdruck, den man auch lange nach den zwei Stunden Aufführungsdauer noch spürt. Das Ansehen und das »sich berieseln lassen« allein reicht bei dieser Inszenierung nicht. Die Zuschauer werden durch das, was sie sehen und hören, zum Nachdenken angeregt, vielleicht sogar zum Umdenken. Leider führte häufiges Vergessen des Textes durch einige der Darsteller dazu, dass man ihnen beim Sprechen nicht mehr allzu gut folgen konnte, doch wurde dies durch Elfriede Jelinek als Soufflage (Susanne Bien) prima gelöst.
 »Welches Land können betreten wir? – Keins.« »Unsere Existenz ist unser Zahlungsmittel, ein anderes haben wir nicht. Kurz und klar: wir haben nichts.« »Und wieso hat der jetzt, dieser Ausländer, in der U-Bahn einen Sitzplatz und ich nicht?« Diese Zitate sind einige von vielen, die auch nach dem Anschauen des Stückes im Kopf bleiben können und zu einem anderen Denken bezüglich der Flüchtlingsbewegung Anstoß sein können.So bekommt man beim Lauschen der Berichte von den Asylsuchenden eine Gänsehaut. Die Wirkung, die das Stück bei dem Zuschauer hinterlässt, ist bedrückend und traurig. Oft will man gar nicht mehr hinhören, was diese Menschen alles für Leid ertragen haben und ertragen mussten.
Die Inszenierung ist ausverkauft gewesen und absolut sehenswert. Sie ist eine der Inszenierungen, die man wirklich jedem nur empfehlen kann, da sie uns die Möglichkeit gibt, uns in die Probleme, mit denen die Flüchtlinge auf der ganzen Welt konfrontiert sind, einzufühlen und sie regt dazu an, über deren Schicksale nachzudenken. Vielleicht wurde der eine oder der andere sogar dahingehend bewegt, gegen dieses Leid vorzugehen und selbst etwas zu bewegen. 

Disco in Concert – Your disco needs you!
REZENSION VON AHMETCAN KESMEZ, GESAMTSCHULE PADERBORN-ELSEN

01.06.2014, Opernhaus Kassel. Kommt man in den Saal, ist der Vorhang schon offen. Auf der Bühne sind nur die Musikinstrumente vom Staatsorchester und drei gemusterte Sitzkissen im 70- er Jahre Stil zu sehen (Szenische Einrichtung: Florian Reiter, Ausstattung: Sibylle Pfeiffer). Über der Bühne hängen zwei Discokugeln, in der Mitte die größere und weiter links die etwas kleinere. Es ist 19:30 Uhr, das Staatsorchester Kassel tritt auf die Bühne, bekommt den wohlverdienten Applaus, kurze Zeit später auch der Dirigent Rasmus Baumann. Nach kurzer Zeit beginnen sie zu spielen, bombastisch gut. Sie fangen an mit dem Song „Disco Inferno“ von The Trammps.
Im Hintergrund der Bühne wird eine Grafikanimation von Isabelle Winter abgespielt mit der Aufschrift DISCO, in leuchtenden Farben.
Der erste Song in den guten Abend wird gesungen von Henrik Wager. Er hat eine sehr atemberaubende Stimme, besonders bei den starken und hohen Tönen. Nach diesem langanhaltenden Lied kam dann Insa Pijanka auf die Bühne und moderierte den Abend.
Am Anfang erzählt sie ein bisschen über die Disco-Zeit, später wie man am besten am Türsteher vorbei kommt. Insbesondere sei da die Schönheit wichtig, scherzt Pijanka und schaut mit lachendem Gesicht ins Publikum. Kurze Zeit später wurde die Hintergrund Wand von einer Grafikanimation zu einer Videoleinwand gewechselt. Der zweite Moderator Franz Josef Strohmeier, erscheint auf der Videoleinwand, wie er durch die Stadt Kassel geht und die Passanten fragt, was sie unter dem Begriff  „Disco“ verstehen - herzhafte Lacher.
Den ganzen Abend über sucht Frau Pijanka den Herrn Strohmeier, mal ist er noch im Kostümfundus um das richtige Outfit zu finden, mal ist er im Tanzsaal, wo er noch ein paar Moves üben will - aber vergeblich! Er kommt nur kurz am Ende in einem Krankenhauskittel und singt ein Lied der 70-er Jahre. Später kommt im Saal die richtig gute Laune auf, es wird gesungen, was das Zeug hält. Kassel steht auf, Jung und Alt, klatscht, tanzt und singt mit. Lieder wie „ I will survive“ oder „ Young hearts run free “ dürfen dabei nicht fehlen. Auf der Bühne standen insgesamt fünf Solisten, unter anderem Judith Lefeber, mit einer aussagekräftigen Stimme, Joyce van de Pol, eine bombastisch gute Stimme, Henrik Wager, bei hohen und lauten Tönen sehr gut, und Alvin Le-Bass, der ebenfalls mit seiner so gigantischen Stimme und gleichzeitig mit seiner Komik und seinem Charme allen gefiel.
Die Kostüme, den 70-er Jahren angepasst, waren sehr unterschiedlich. Mal kamen die jungen Frauen in sehr schönen langen weißen Kleidern mit Pelz und mal in bunten schrillen Outfits. Die Männer hingegen wurden mit dem Dirigenten zusammen in Hemden und Hosen der 70-er Jahre auf der Bühne gezeigt. In Disco in Concert wurde sehr viel mit Licht (Albert Geisel) im Opernhaus gearbeitet, mal bunte Lichter, mal eine Discokugel und mal der LED Boden auf der Bühne wie in einer richtigen Disco! Größtes Kompliment! Und der Ton (Karl- Walter Heyer) kam sehr klar und mit einem Mega-Bass zu unseren Ohren. Die Lichtkegel von den Scheinwerfern wurden nur vereinzelt an auf die Solisten gerichtet. Die drei Girls im Backgroundsänger- Bereich, anfangs in bunten Kleidern, nach der Pause in glitzernden roten Kleidern, verzauberten das Publikum gleichzeitig mit.
Insgesamt ist es ein atemberaubender Abend mit Disco-Licht, sehr viel und langer 70er-Jahre-Musik und natürlich Tanz. Es ist ein Abend für alle Altersgruppen, so wie es am 01.06.2014 zwischen den Parkettreihen nach sehr jungen fröhlichen Zuschauern aussah. Einen Besuch wert!!!

JEKYLL & HYDE – REZENSION VON AHMETCAN KESMEZ, GESAMTSCHULE PADERBORN-ELSEN

Da bleibt man sprachlos – das Musical „Jekyll & Hyde“

Opernhaus Kassel, 27.April 2014. Wow...Wow...Wow, das nennt man ein einzigartiges Musical. Das Musical „Jekyll & Hyde“ (in englischer Sprache mit deutschen Übertiteln), am Staatstheater Kassel von Patrick Schlösser inszeniert. Beim Betreten des Saales sieht man nur eine Leinwand, auf welcher mit einem Projektor ein animiertes Video abgespielt wird. Wenn es dann im Saal langsam dunkel wird, tritt BayBJane vor das Publikum, um mit zwei Einleitungsätzen das Geschehen zu eröffnen. Danach beginnt das Orchester, unter der Leitung von Marco Zeiser Celesti, die Ouvertüre zu spielen, im Musical „Prologue“ genannt. Das Bühnenbild von Daniel Roskamp wurde sehr schlicht gehalten. Außer zwei leuchtenden Rahmen und zwei weißen Seitenwänden ist nichts zu sehen. Keine einzigen Wand, kein Tisch, noch nicht einmal ein Stuhl. Trotzdem ist es dem Regisseur am Staatstheater Kassel gelungen, ein bombastisches Musical zu entwickeln und aufzuführen. Vom Bereich der Requisite ist außer einem Spiegel und einer Spritze nichts zu sehen.
Die Boxen im Opernhaus erzeugen einen üppigen Sound.
In diesem Musical sind berühmte Musicaldarsteller/-innen und Deutschlands kleinste Drag Queen  BayBJane zu sehen.
David Arnspreger spielt im Musical Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Nur durch zwei einfache Gummibänder, die er sich über das Gesicht zieht, gekennzeichnet, wechselt er immer wieder zwischen dem guten Dr. Jekyll und dem bösen Mr. Hyde. Im Musical (von Robert L. Stevenson im Jahr 1866 als Novelle geschrieben) geht es um den Dr. Jekyll, welcher an einem Medikament forscht und dieses entwickelt, um im Menschen das Böse vom Guten trennen zu können. Da Dr. Jekyll kein Testversuch genehmigt wird, führt er einen Selbstversuch mit seinem Medikament  JH7 durch. Dieser endete mit fatalen Folgen. Somit spaltet sich seine Persönlichkeit in Gut (Dr. Jekyll) und Böse (Mr. Hyde). Sein Doppelleben beginnt.
Als Dr. Jekyll ist er der Verlobte von Emma Carew (gespielt von Julia Klotz) und als böser Mr. Hyde bandelt er mit der Nachtclubsängerin Lucy Harris (gespielt von Susan Rigvava-Dumas) an.
Um Mr. Hyde, der aus der Droge JH7 entstanden ist, aus seinem Körper zu verbannen, führt er mehrere Versuche durch, die aber erfolglos bleiben.
Als am Ende  ausgerechnet bei seiner Hochzeit Mr. Hyde unkontrollierbar wird, erschießt ihn sein bester  Freund und Vertrauter Gabriel John Unttersson (gespielt von Christoph Johannes Goetten).
Das fantastische Musical ist, zusammen mit dem Opernchor, sehr modern umgesetzt und an die Probleme des 21. Jahrhunderts angepasst. So wird zum Beispiel das Thema der Ideale und Wunschvorstellungen an den Körper angesprochen.
Susan Rigvava-Dumas verzauberte als Nachtclubsängerin Lucy Harries das komplette Publikum. Nachdem die Hauptfiguren auf der Bühne ihre Lieder gesungen haben, gab es immer wieder Zwischenbeifall.
Die Kostüme wurden von Werner Fritz nach einer sehr bestimmten Reihenfolge für die  Bühne entworfen. Die männlichen Hauptfiguren tragen auf der Bühne  schwarze und weiße Anzüge, wobei die Rolle Emma Carew  (Julia Klotz ) in einem schlicht weißen modernen Brautkleid auf der Bühne steht.  Die Nachtclubsängerin ist auch am Anfang des Stückes in einem schlichten Lederkleid zu sehen, später wechselt sie als einzige ihr Kostüm und steht dann in einem sehr funkelnden Kleid in Gold auf der Bühne.
Die Prostituierte Nellie (Lona Culmer-Schellbach), auch die kleinste Rolle, wurde in einem glitzernden roten Kleid dargestellt.
BayBJane wurde dahingegen in sehr absurden und lustigen Kostümen gezeigt, beispielsweise kommt sie mit einem grünen Kopf auf die Bühne oder mit riesigen Wimpern oder weißer Perücke und erzählt zwischendurch die Handlung auf Deutsch.
Die kleinste Rolle im Musical hat Lona Culmer-Schellbach als Prostituierte Nellie. Sie kommt nur beim dem Songduett „The Girls of the Night“ und geht wieder.
Die Stimme von der Nachtclubsängerin Lucy Harries (Susan Rigvava-Dumas) war bombastisch  und sehr stark, so dass man als Zuschauer Gänsehaut bekam. Als Dr. Jekyll & Mr. Hyde fasziniert David Arnspreger in seiner Gesangsrolle.
Julia Klotz als Emma Carew verwandelte die Bühne am Anfang durch die Stimmung zu ihrer Hochzeit. Sie hat eine tief berührende Stimme.
Susan Rigvava-Dumas verzauberte später in ihrem funkelnden goldglitzernden Kleid die komplette Bühne, was dem Publikum sehr gut gefiel. Sie wird aber durch einen blutigen Effekt von Mr. Hyde getötet.

Nach der Pause war die Einleitung in den 2. Akt durch den Song „Murder Murder“  (gesungen vom Opernchor und der Rolle Gabriel John Utterson) sehr bombastisch umgesetzt. Im Hintergrund sieht man gleichzeitig das Schattentheater, wo Mr. Hyde seine Morde beginnt, wobei der Opernchor zwischendurch zum Bühnenrand des Orchestergrabens geht und mit den Füßen stampft.

Im Musical selbst gibt es sehr verschiedene und viele Wendepunkte, zum Beispiel am Anfang die Verwandlung von Dr. Jekyll zu Mr. Hyde, die Einsicht das Mr. Hyde ein Teil von ihm bleiben wird und am Ende die Hochzeit mit Emma Carew, wo er mit einem Revolver erschossen wird.

Ein Stimmungswandel im Publikum entstand durch die Musik. Man wurde durch den Gesang und durch die Musik sehr berührt... totales Gänsehautfeeling. Mit einer fünf minütigen Standing Ovation endete das Musical. Auf jeden Fall SEHR zu empfehlen.

Eine Hotelbar in Tokyo - Rezension von Christian Wenzel, Wilhelmsgymnasium

Tif, 22. Februar 2014. In dem eher unbekannten Stück von Tennessee Williams geht es um das Auseinanderleben eines amerikanischen Ehepaars, das in einer Hotelbar in Tokyo zur Eskalation führt.
Während Miriam (Eva Maria Sommersberg) mit dem Barmann (Thomas Sprekelsen) flirtet, hat ihr Ehemann, der Maler Mark (Bernd Hölscher), sich von der Reise nach Tokyo inspirieren lasssen und arbeitet deswegen schon seit Tagen ununterbrochen an seinen neuen Werken. Miriam kann das nicht verstehen, sie findet, dass Mark den Bezug zur Realität verloren hat und überhaupt kann sie sich nicht mehr für die Arbeiten ihres Mannes begeistern. Schon seit längerer Zeit betrügt Miriam ihren Mann und kommt in der Hotelbar zu dem Schluss, dass es vielleicht besser wäre sich von ihm zu trennen. Aus diesem Grund fliegt Miriam den Galeristen Leonard (Franz Josef Strohmeier) aus New York ein, damit Leonard  Mark die Ernsthaftigkeit ihrer Ehesituation erklären kann. Doch als Mark die Situation erkennt, ist es schon zu spät, denn er stirbt wegen Erschöpfung.

Sebastian Schug hat das 1969 uraufgeführte Stück sehr zeitlos gestaltet, denn sowohl die Kostüme als auch die sehr detaillierte Bühnengestaltung von Christian Kiel lassen auf keinen genauen Zeitpunkt schließen. Begeistert, gleich zu Anfang des Stücks, war ich von der Bühnengestaltung, die mit sehr viel Liebe zum Detail, täuschend echt einer richtigen Hotelbar zum Verwechseln ähnlich aussieht. Die Hotelbar, die zwei verschiedene Sachen ausstrahlt, passt auch hervorragend zum Thema des Stücks. Auf der einen Seite mitten in der Stadt, auf der anderen Seite abgeschottet von der restlichen Welt. Wenn man sich in eine Hotelbar setzt, distanziert man sich gewissermaßen jemanden oder etwas. Genau das macht Miriam, die sich etwas Abstand von ihrem Mann gönnt. Sehr gelungen ist auch die live gespielte Hintergrundmusik eines Musikers, der sowohl Klavier als auch Gitarre spielt. Man fühlt sich dadurch wie im Kino, nur viel intensiver, fast schon so als ob man gleich selbst mitspielt.
Im Großen und Ganzen hat mir das Stück sehr gut gefallen. Die Schauspieler schlüpfen überzeugend in ihre Rolle und können deren Charaktere im Laufe der Inszenierung entfalten. Offen bleibt mir aber bis jetzt die Rolle des Galeristen Leonard, dessen Persönlichkeit und Beziehung zu Miriam und Mark, durch das späte Auftreten im Stück,  nur lückenhaft dargestellt werden kann, was weniger an der Inszenierung als mehr an dem Stück selbst liegt. Das soll aber nicht darüber hinweg täuschen, dass es sich hierbei um ein ausgezeichnetes Stück von Tennessee Williams handelt. Ich frage mich, warum es denn so unbekannt ist?

Eine Hotelbar in Tokyo - RezensioN Von Julian Carly und Clara Pohl, WILHELMSGYMNASIUM

Mark ist Künstler und ist gerade dabei, ein unglaublich revolutionäres Kunstwerk zu schaffen in einem  Hotelzimmer in Tokio. Er erfindet die Farben komplett neu, wie aus dem Nichts schafft Mark eine ganz neue Welt, eine Welt aus der man nicht mehr so schnell  herausfindet. Und vor allem Mark nicht. Seine Frau Miriam ist gerade dabei unglaublich vital zu sein und das ist sie in der Hotelbar, vor lauter Vitalität macht sie sich  an den süßen, japanischen, aber verlobten Barmann heran, besser gesagt an dessen Genitalien. Miriam hat jedoch ein Problem:  ihren vollkommen schizophrenen Ehemann, der einfach nicht von seiner Kunst ablassen kann und dennoch frustriert von ihr ist und resignieren möchte. Miriam bestellt Marks Galeristen Leonard aus New York her und fordert ihn auf, Mark mit nach Hause zu nehmen, unter Betäubung, sodass Miriam ihren Urlaub fortsetzen, und Mark sich wieder erholen  kann. Nun tritt der Kern des Stücks zum Vorschein, über den können weder Miriams Vitalität noch Marks Kunst hinwegtäuschen: Eheprobleme, ganz große Eheprobleme. Das Spektrum von tiefgründiger Leidenschaft und Liebe, bis hin zu selbstzerstörerischer Wut und Aggression, wird wundervoll ausgeschmückt. Ein Stück voller Gegensätze. So reißt die Kunst Mark aus der Wirklichkeit, sie macht ihn verrückt. Oder ist es nur Miriam, die ihn verrückt macht? Das Ganze wirkt sehr schwermütig und  traurig. Dynamik erhält diese Situation durch einige lustige und kurzweilige Handlungen und Monologe der einzelnen Personen sowie durch mehrere spannungsreiche, melancholische Gesangseinlagen der Charaktere, die weder perfekt und besonders ausgefeilt sind, noch sein wollen und sollen. Diese kleinen Auflockerungen machen das Stück zu etwas ganz Besonderem und verleihen ihm eine komische Tragik, die für uns als Zuschauer ungreifbar und besonders faszinierend war. Dennoch war die Inszenierung, nicht vollends perfekt, so waren vor allem Ton und Nebel deutlich übersteuert und taten in Ohren und Nase etwas weh. Kritisch zu betrachten ist ebenfalls, das doch sehr abrupte Ende des Stücks, was einerseits gut  war und den Schwermut des Zuschauers nahm, anderseits aber auch einen Teil des Potentials des Stückes verspielte und nicht ganz klar  war, was dem Zuschauer vermittelt werden sollte. Bühnenbild und Maske, vor allem die grandios komische Maske des Barmanns,  konnten jedoch voll und ganz überzeugen, und erzeugten eine Stimmung, die der Rahmenhandlung definitiv  entsprach. Die sechziger Jahre und Tokyo hätten wir uns genau so vorgestellt. Das Stück profitierte überdies stark von seinem exzellenten Ensemble; vor allem Eva Maria Sommersberg als Miriam und Bernd Hölscher als Mark  konnten voll und ganz überzeugen. Das Stück ist daher durchaus lohnenswert, nicht unbedingt aufgrund seiner Originalität oder besonderen Geschichte, sondern vielmehr wegen der sehr schönen und unterhaltsamen Inszenierung; es kann jeden berühren und ist in der Lage, starke Emotionen beim Zuschauer hervorzurufen.

ICH BIN DU - Rezension von Kristin Heyne, Lichtenberggymnasium

Ich bin nicht mein Körper. Nicht meine Sprache, nicht meine Beziehung, nicht meine Religion. Ich weiß nur, dass ich existiere – aber wer oder was bin ich?
Das Tanztheater „Ich bin du“ von Johannes Wieland nimmt uns mit auf eine beeindruckende choreographische und darstellerische Reise in den Kern unserer menschlichen Existenz. Auf einem fransigen Teppichboden, wie er sonst in Wohnzimmern zu finden ist, konfrontieren die Tänzer den Zuschauer mit elementaren Fragen nach dem Ich. Wie individuell sind wir eigentlich, wenn wir uns immer verstellen und anpassen müssen? Wenn wir für unsere Clique, eine Partnerschaft oder den Beruf ein Stück von uns selbst aufgeben müssen? Unseren Weg mit anderen zu gehen oder unseren Idolen aus den Medien oder der Literatur nachzufolgen ist eine tiefe Sehnsucht des Menschen. Allerdings geben wir dafür auch ein Stück Freiheit und Selbstbestimmung auf und entfernen uns davon, was wir wirklich sind – oder zu sein glauben. Die Frage nach dem Kern unserer Existenz kann unser Leben so entfernt und unbegreiflich wie einen Traum wirken lassen. Passend dazu sind zwei große Bildschirme über der Bühne platziert. Darauf zu sehen sind Menschen, die vor einem schwarzen Hintergrund scheinbar ins Leere stürzen. Ebenso bodenlos kann die Suche nach sich selbst sein. So wendet sich eine Darstellerin mit den Worten: „I’m waiting“ an das Publikum. Es wirkt, als warte sie auf das Ende ihres Falls, auf die endgültige Selbstfindung. Scheinbar erlöst werfen die Tänzer zum Schluss ihre Perücken in die Luft und bewegen sich ausgelassen und frei. Doch die Musik im Hintergrund ist düster und bedrohlich. Es kommt die Frage auf, ob in der Freiheit und Individualität bereits das Selbst gefunden wurde. Eine weitere Darstellerin bestätigt diesen Zweifel, indem sie erneut die Worte „I’m waiting“ ausspricht: Die Suche nach dem Ich geht weiter und endet, auch für den Zuschauer, nach der Aufführung nicht.

SAUL - REZENSION VON CHRISTIAN WENZEL, WILHELMSGYMNASIUM

14. Dezember 2013, Premiere von Saul, der Vorhang geht auf und man sieht eine grell beleuchtete, schlichte und kalte Bühne mit einer weißen Quadratfläche in der Mitte und an der Decke. Es ist das genaue Gegenteil von Israel, wo es doch eigentlich warm ist.
Georg Friedrich Händel, Komponist des Oratoriums Saul, nahm sich als Stoff den Konflikt zwischen dem ersten König Israels, Saul, und seinem Nachfolger David im Jahr 1004 v. Chr. vor. Ausgangssituation ist der Sieg Davids über Goliath, dessen Kopf sich während des ganzen Stücks auf der Bühne befindet. David wird vom Volk Israel gefeiert und erhält vom König Saul seine zweitälteste Tochter, Michal, als Ehefrau. Außerdem schwört der Sohn des Sauls, Jonathan, David ewige Freundschaft. Merab, Sauls älteste Tochter, verachtet jedoch Saul, denn David sei einer blaublütigen Tochter nicht würdig genug. Die Freude Sauls währt jedoch nicht lange, denn David wird von Tag zu Tag immer beliebter im Volk Israel.
(…)
Georg Friedrich Händel rückt den Neid und die Eifersucht des Menschen in den Vordergrund seines Werks und zeigt, was die Eifersucht in einem Menschen bewirkt. Saul war 16 Jahre lang ein souveräner König, der sich immer für das Volk Israel gekümmert hat. Doch als ihn der Neid gegenüber David, der immer beliebter wird, packt, wird der König immer willkürlicher, jähzorniger und blutrünstiger. Doch wer ist schuld an der Eskalation des Konflikts: das Volk, weil es dem König nicht treu geblieben ist, David, weil er dem Volk nicht klarmacht, dass es nur den König verehren soll, oder doch der König selbst, weil er sich zu sehr von seiner Eifersucht in Besitz nehmen lässt?
Ein weiterer Deutungsansatz wäre auch noch, dass Händel Kritik am Absolutismus und der damit verbundenen Staatsform der Monarchie üben möchte, obwohl das Stück 50 Jahre vor der Französischen Revolution 1789 liegt. Erkennen lässt sich dies anhand Legitimation des Königs durch das Volk, im Gegensatz zur vorherrschenden Meinung im 18. Jahrhundert, Gott würde den König ernennen. Außerdem kommt die Willkür von Monarchen sehr gut zur Geltung, z.B. der Befehl von Saul an Jonathan David umzubringen oder David, der kurz vor der Ernennung zum König den Mann tötet, der sich damit preist, Saul getötet zu haben.
Die Inszenierung am Staatstheater Kassel ist sehr modern gestaltet, fast schon futuristisch. Nur  zwei Auftritte des Opernchores (Volk Israel) in barocken Kostümen lassen auf die Epoche des Barocks schließen, in der das Oratorium 1739 von Georg Friedrich Händel in London uraufgeführt wurde. Kostüme, die zu der Zeit der ersten Jahrtausendwende vor Christi gehören, sucht man vergebens, dafür sieht man sehr zeitgenössisch gekleidete Schauspieler. Die Bühne ist zwar schlicht, aber vielseitig gestaltet, z.B. Podeste, die aus der weißen Quadratfläche empor steigen und als Tische verwendet werden. Sehr bemerkenswert ist auch, wie der Abstieg von Saul und der Aufstieg von David dargestellt wird. Saul, zu Beginn in schwarzer Hose und weißem Pullover mit weißem Umhang und schwarzen Lackschuhen, muss sich zum Schluss barfuß und ohne weißen Umhang  zeigen. Im Gegensatz dazu trägt David anfangs graue Jeans und Pullover mit einfachen Freizeitschuhen. Nach der Ernennung zum König erscheint er dafür im schwarzen Anzug.
Alle Sänger, darunter Marc-Olivier Oetterli als Saul, Musa Nkuna als Jonathan, Ani Yorentz als Michal, Jaclyn Bermudez als Merab, und der Opernchor zeigen eine hohe Bühnenpräsenz und verkörpern sehr gut ihre Rollen. Was mir jedoch nicht so gut gefallen hat, war die Verkörperung Davids durch einen Countertenor (männliche Sänger, die durch Verwendung ihre Kopfstimme eine sehr hohe Tonlage erreichen), nämlich Yuriy Mynenko. Als Countertenor ist Mynenko großartig, was man auch an dem extra großen Beifall nach dem Ende des Stücks bemerken kann. Meinen Geschmack hat dies leider nicht getroffen. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass dies mein erstes Musiktheaterstück war, in dem ein Countertenor singt. Sonst ist die Spielweise, auch bei Mynenko, sehr überzeugend und teilweise sogar geprägt vom Katharsiseffekt, wie z.B. bei der Trauerfeier um Saul und Jonathan. Bemerkenswert ist auch, wie ruhig und souverän der Dirigent Jörg Halubek das Oratorium musikalisch mit dem Orchester umsetzt.
Alles in allem ist die Inszenierung am Staatstheater Kassel sehr gelungen. Außerdem hat es mir sehr gut gefallen, dass die Inszenierung von Saul größtenteils nah an der Textvorlage liegt und das Oratorium durch das Staatsorchester gut umgesetzt wird.