Zum Stück

Pressestimmen zu Lost and Found

_______hr2 – Kultur [03.04.2017] mehr ...

Frühkritik

Andreas Wickes Kritik zu Lost and Found ist hier online auf der Homepage des Hessischen Rundfunks abrufbar.

_______HNA [03.04.2017] mehr ...

Wenn der Flüchtling klingelt

Martin Schulze inszeniert Yael Ronens Komödie „Lost and Found“ am Schauspielhaus leichtfüßig und böse

Von Bettina Fraschke

Maryam ist echt krass betroffen von dieser Sache mit den Flüchtlingen. Sie möchte gern helfen, flötet sie in die Kamera ihres Lifestyle-Blogs. Dabei legt sie ein Lächeln an, dass das Besorgtsein so fotogen wie möglich inszeniert. Doch – Achtung, Lektion – es tut nicht immer gut, die perfekte Frau sein zu wollen. So hat Maryam angesichts von Not und Flucht für sich eine wichtige Erkenntnis gefunden, die sie der Fangemeinde an den Computern auf den Weg geben will: »Ich muss mich da nicht stressen.« Der Krieg in Syrien werde so schnell nicht aufhören. Helfen kann sie später noch. Jetzt sind erst mal ihre Befindlichkeiten dran: Schwanger werden, die Beerdigung ihres Vaters organisieren. Eine großartige Szene für Maria Munkert, die die Selbstverliebtheit der modernen Netz-Poser im Tarnmäntelchen der Nächstenliebe perfekt einfängt.

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Wie war's?
Kurzweilig wird der ach so engagierten
Bildungsbürgerwelt der Spiegel vorgehalten.
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Martin Schulze inszeniert am Kasseler Schauspielhaus Yael Ronens Komödie Lost and Found als leichtfüßigen, kurzweiligen Abend, der perfekt auf der Schwelle zwischen bitter und böse balanciert und dabei auch richtig lustig wird. Bei der Premiere am Samstag gab es dafür langen Applaus. Überraschende Handlungsentwicklungen sind allerdings nicht zu gewärtigen, und die Stoffvorlage hat einige Schwächen und kleinere Durchhänger. Doch in gelungenen Einzelszenen fächert sich das Grundthema des Abends variantenreich auf: Jene gut situierten Großstadtbewohner, die sich so viel auf ihr Kunstverständnis und ihre Selbstreflexion einbilden, instrumentalisieren die Ankunft der Flüchtlinge in Europa dafür, sich selbst gut darzustellen. So betroffen, so engagiert, so weltoffen und kümmerbereit. Wenn dann tatsächlich einer vor der Tür steht und konkrete Hilfe gefragt ist, oder eine Frau erscheint, deren Hautfarbe nicht weiß ist, brechen sofort die Vorurteile durch und das aufgeklärte Palaver gerät ins Stocken. Neben einer riesigen Holzkiste, die am Ende für einen Überraschungseffekt sorgt, stehen nur Stühle und Schachteln vom Asia-Imbiss auf Daniel Roskamps Bühne, die von flexibel nutzbaren weißen Stoffbahnen eingefasst ist. Dirk Raulf sorgt für einen subtilen, elektronikbasierten Sound. Konstantin Marsch als Maryams Bruder Elias gibt eine wunderbare Performance als weinerlicher Aufmerksamkeits-Erhascher. Toll, wie Marsch mit Lara-Sophie Milagro als Ex-Freundin Camille einen Taumel zwischen Trennung und Zusammenfinden spielt – und es dabei immer nur um Elias’ Ego geht. Christian Ehrich (dem man wünscht, dass er bald mal eine Rolle ohne formlosen Parka oder knittriges Sakko bekommt) ist der Künstler Jochen, der sich in seiner gefälligen Betroffenheits-Pose suhlt. Christoph Förster spielt Maryams schwulen Freund Schnute, mit dem sie ein Kind machen will – todkomisch, wie er, während sie das per Spritze injizierte Sperma im Kopfstand in den Körper sickern lässt, ihren Lederrock hochhält (Kostüme: Ulrike Obermüller) und das Paragrafenwerk vorliest, das die Erziehungsziele regelt: »Barbie- Puppen sind nur erlaubt, wenn sie vom Kind selbst gebastelte Kleidung tragen.« Schließlich taucht Aljoscha Langel als Cousin Yousef auf und stellt die schicke Worthülsen-Toleranz auf eine heftige Probe. Und auch wenn Jochen ihn direkt für sein neuestes Kunstprojekt instrumentalisiert, bleibt der Schrecken, den Yousefs Fluchtschilderung erzeugt, bestehen. Der lässt sich nicht aufrüschen.

HNA

_______Nachtkritik [01.04.2017] mehr ...

Labern, bis der Flüchtling kommt

Lost and Found – In Kassel wird erstmals eine Arbeit der Stückentwicklungs-Spezialistin Yael Ronen nachgespielt. Weiterlesen