Zum Stück

Pressestimmen zu Saffran & Krump

_______Kulturmagazin [01.11.2016] mehr ...

Balsam für die Ohren

Von Bettina Damaris Lange

Als Saffran vom Stamm der Filousen auf einem rollenden Untersatz auf die Bühne fährt und dabei ebenso poetisch wie andächtig seine filousischen Gedanken laut denkt, versteht man erstmal überhaupt nichts. Doch es klingt lustig. Große wie kleine Zuschauer im tif müssen schmunzeln, das filousische Wesen wirkt allein durch seine Art des Sprechens sympathisch, und man will mehr von ihm hören. Nach einigen Sätzen, sich mehr und mehr an das Filousische gewöhnend, fängt man an zu verstehen, es ist gar nicht so schwer. Der mit seiner Mini-Gitarre an einen Minnesänger erinnernde Saffran neigt nur eben stark dazu, Dinge anders auszudrücken, anders zu betonen oder zu verdoppeln. Klar ist, dass diesem Saffran Sprache überhaupt nicht egal ist und er Wert darauf legt, Sachverhalte präzise zu benennen und dabei nichts dem Zufall zu überlassen. Ganz konkret gibt es dann bei ihm beispielsweise ein .. Dinier-Dinner" oder ein .. Helden-HeroenDuell". Der Clou ist dabei, dass es nicht nur schön und lustig klingt, sondern die neuen Wortschöpfungen eine Bereicherung der bereits bekannten Sprache darstellen wie beispielsweise das Wort .. Favoritter", was wohl ein beliebter Kämpfer im Kettenhemd zu sein scheint. Das Filousische ist ein Ohrenschmaus, und man könnte dem Mann mit der blond gefärbten Megatolle auf dem Kopf stundenlang zuhören. Grandios spielt Thomas Sprekelsen diesen Schöngeist, der durch den Wald streunend seinen Lieblingsplatz entdeckt, wobei man sich auch fragt, wie er es schafft, so konsequent in seiner Rolle zu bleiben bei all den witzigen Worten und lachenden Kindern im Raum. Dafür gebührt ihm nur umso mehr Respekt. Doch wie in Geschichten üblich, bleibt es nicht bei Saffrans einsamem Rezitieren der Sprachmusik. Ein anderes Wesen tritt auf den Plan, eines, das nach eigenen Angaben schon sehr viellänger das .. hübschfriedlisch Schütthügelsehen" bewohnt und dementsprechend den alleinigen Anspruch darauf geltend macht. Es ist der Waldschrattel Krump, ein zotteliger Zeitgenosse in Fellweste und Pünktchenrock, gespielt von Eva-Maria Keller. Völlig im Gegensatz zu Saffran im mintpastellfarbenen Overall und silbernen Turnschuhen (Bühne und Kostüme: Michael Lindner) gehört Krump einer eher bodenständig-zünftigen Gattung an, was sich unmittelbar der sehr viel härteren Sprache entnehmen lässt, die von Saffran prompt als barbarisch bezeichnet wird. Doch was tun, wenn zwei Wesen gleichermaßen Anspruch auf einen begehrten Platz erheben? Saffran und Krump durchlaufen verschiedene Phasen an Einigungsversuchen, bis sie feststellen, dass sie ohne den jeweils anderen nicht mehr sein wollen. Schade eigentlich, dass diese Einsicht nach circa 45 Minuten Spielzeit dann doch so früh kommt, man hätte den beiden Sprachtalenten noch ewig zusehen und zuhören können. Janis Knorr hat aus der virtuosen Textvorlage von Pamela Dürr eine sympathische Inszenierung gemacht, die Lust auf Sprache macht und dabei besonders die Zielgruppe der Kinder ab sechs Jahren auf keinen Fall verfehlt, denen der Spaß am Spiel mit Silben, Wörtern und Buchstaben anzusehen ist.

_______HNA [27.09.2016] mehr ...

Vom Beharren und Nachgeben

Umjubelte Premiere des Zwei-Personen-Stücks »Saffran & Krump« im Theater im Fridericianum

Von Gesa Esterer

Glitzerfäden hängen von der Decke. Auf der Bühne ein Baumstamm mit Ästen. Daneben leuchten Blumen. Die Musik erzählt mit Dissonanzen von Unvereinbarem. Auf einem Rollbrett rattert Saffran herbei. Der Typ steckt in einem seltsamen Strampler- Raumfahrer-Overall in Blassgrün. Auf dem grellen Blondhaar thront eine tolle Tolle. Blinkende Silberstiefel bekleiden die Füße. Saffran (Thomas Sprekelsen) macht es sich gemütlich auf dem Baum. Aber Pustekuchen, der zottelige Waldschrattel Krump (Eva- Maria Keller) taucht auf. Es gibt natürlich Zoff. Am Sonntag zeigte das ausverkaufte Theater im Fridericianum (Tif) unter Regie von Janis Knorr die famose Inszenierung des Zwei-Personen-Stücks Saffran & Krump von Pamela Dürr. Im Streit der gegensätzlichen Fantasiefiguren geht es um den Platz im Wald. »Was für ein hübschfriedlisches Schütthügelschen«, säuselt Thomas Sprekelsen mit leicht blödem Gesichtsausdruck als Saffran. Während er eine der »Narzissten« pflückt, stürmt Eva-Maria Keller als Krump mit wildem Haar, Bauernrock und Fellweste in die Idylle. Auf die Frage, wer er sei, antwortet Saffran galant, er gehöre zum Stamm der ruhmreichen Filousen. Daraufhin verfällt Krump in ein unerträgliches Gebrüll »Ich war voll in der Inspiration«, sagt Saffran leicht angewidert. Dazu behauptet er, als Erster hier gewesen zu sein, was Krump »botenlose Frechheit« nennt. Als Waldschrattel habe sie den Platz niemals verlassen. Eine Lösung finden die beiden nicht. Sie gehen auseinander, vermissen sich. Die Autorin entwickelte für jede Gestalt eine eigene Sprache. Thomas Sprekelsen macht als Saffran aus dem fauchenden »ch« ein weiches »sch«. Als Krump baut Eva-Maria Keller das harte »k« oder »t« in die Worte ein, stammelt oft nur. Eigentlich ist das Schauspiel für Kinder gedacht, gefällt aber auch Erwachsenen. Es geht um Mein und Dein, um Teilen und Abgeben, um Konzessionen. Saffran und Krump demonstrieren, dass gar nichts geht, wenn keiner nachgibt. Dabei sind die Bühnenfiguren so gelungen, dass man ihnen wieder und wieder begegnen möchte. Beide Darsteller überzeugten, wobei besonders Thomas Sprekelsen mit versuchter Galanterie und gleichzeitiger Einfalt brillierte. Weiterhin beeindruckten das karge Bühnenbild, die schrillen Kostüme sowie die großartige Sound-Installation von Thorsten Drücker. Großer Applaus, viele Vorhänge für das mutige Ensemble.

HNA