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Pressestimmen zu Jenufa

_______Opera plus [20.02.2018] mehr ...

Jenůfa in Kassel

von David Chaloupka

(ins Deutsche übertragen von Pavel Waelsch)

Eine neue Produktion von Janáčeks Oper Její pastorkyňa, die traditionell auf den deutschsprachigen Bühnen unter dem Titel Jenůfa aufgeführt wird, bringt eine völlig andere visuelle Erscheinung, als wir sie von zu Hause gewohnt sind. Das Opernensemble des Staatstheaters Kassel stellt das berühmte Werk ohne ethnographische Zusammenhänge und ethnographische Bilder oder Kostüme dar. Die Inszenierung des deutschen Regisseurs Markus Dietz nutzt den metaphorischen Raum (Bühnenbild Mayke Hegger) einer gigantischen Großwaschanlage, die beherrscht wird von einer Reihe Waschautomaten und einem riesigen Berg Wäsche zum Waschen.
Den Regisseur interessierte an dem Thema vor allem das Problem der subjektiven Realität der Helden, das den moralischen (wenn auch heuchlerischen) Codex trifft, der soziale Beziehungen in der Gemeinschaft kontrolliert. Die Inszenierung wirkt an vielen Stellen spannend und benutzt auch Methoden des Thrillers. Die Protagonisten der Geschichte sind zeitgenössische Menschen in zeitgenössischen Kostümen (Kostümdesign von Henrike Bromber).
Das Werk im tschechischen Original - ergänzt durch deutsche Übertitel - wurde von dem in Sizilien geborenen Dirigenten Francesco Angelico einstudiert, der Anfang dieser Spielzeit als GMD die musikalische Leitung des Kasseler Ensembles übernahm. (...)
Die Oper ist fast ausschließlich mit den Solisten des Kasseler Ensembles besetzt. Die vielseitige amerikanische Sopranistin Jaclyn Bermudez singt eine ergreifende Jenufa. (...).  Ulrike Schneider als Küsterin (kostelnička) gelingt das psychologische Porträt einer Frau am Rande des Abgrunds zur Geisteskrankheit. Die Sängerin beeindruckte mit ihrer hochdramatischen Leistung alle bisherigen Rezensenten. (...) Ein attraktiver Števa mit einem souveränen stimmlichen Umgang mit der Rolle ist der junge deutsche Tenor Tobias Hächler. 

Den Original-Artikel finden Sie auf der Seite von Opera plus.

_______operaclick [18.02.2018] mehr ...

Jenufa

»Francesco Angelico (...) sottolinea sùbito il tono tragico della vicenda accentando sensibilmente il tempo forte dei battiti delle pale del mulino che aprono la partitura: accorgimento discreto e molto efficace che tramuta da descrittivo a già intensamente drammatico l’inizio dello spettacolo. Il direttore siciliano (...) può giovarsi di masse artistiche di prim’ordine: sotto la sua guida, lo Staatsorchester Kassel è apparso impeccabilmente sicuro e capace di un’insolita mobilità espressiva in tutte le sezioni.«

Vittorio Mascherpa besuchte für www.operclick.de die Premiere am 10. Februar.
Die gesamte Kritik in italienischer Sprache ist hier nachzulesen.   

_______Frankfurter Rundschau [13.02.2018] mehr ...

Die Mühle des Kapitalismus

Georg Pepl war für die Frankfurter Rundschau bei der Premiere und hatte »ein so emotional aufreibendes wie glorioses Opernerlebnis«.
Die gesamte Kritik können Sie hier nachlesen: www.fr.de/kultur

_______HNA [12.02.2018] mehr ...

Großes Drama ohne Helden

Von Werner Fritsch

Generalmusikdirektor Francesco Angelico und Regisseur Markus Dietz lassen Leoš Janáčeks Oper »Jenufa« zu einem großen Drama werden. Helden gibt es keine in Leoš Janáček »Jenufa«, seiner »Oper aus dem mährischen Bauernleben«. Das Drama um Liebe, Verlassenwerden, Schande und Schuld spielt sich am unteren Rand der Gesellschaft ab und lässt niemanden unbeschädigt. Dennoch handelt es sich um ein großes Drama, das jeder Figur ihre Würde zubilligt, daran lässt die Kasseler Inszenierung von Markus Dietz, die am Samstag im fast ausverkauften Opernhaus Premiere hatte, keinen Zweifel.
In Großschrift erscheinen vor jedem der drei Akte Schlüsselzitate wie »Ich hab mir das Leben anders vorgestellt, und doch bin ich schon am Ende angelangt« (2. Akt). Der plakativen Hinweise hätte es nicht bedurft, denn Janáčeks Musik verdichtet auf eindringliche Weise das Drama der jungen, schönen Jenufa, die heimlich ein Kind vom Nichtsnutz Stewa erwartet, von dessen Nebenbuhler Laca entstellt wird, dann verlassen wird, ihr Kind durch Mord verliert und sich am Ende in einer Ehe mit Laca wiederfindet.

Wie war's?
Ein musikalisch starker Abend, der mit spektakulären Bildern aufwartet.

Größe symbolisiert auch ein riesiger Altkleiderberg samt Waschmaschinenparade, der Mayke Heggers Bühne beherrscht – in dieser Sammelstelle verdient sich die ins Heute versetzte Dorfbevölkerung ihr Existenzminimum. Und zu – allerdings verhängnisvoller – Größe schwingt sich die Küsterin Buryja auf, die Stiefmutter Jenufas, die ihre Tochter mit dem unehelichen Kind erst versteckt hält, dann aber Schicksal spielt, indem sie Jenufas Kind im vereisten See ertränkt, um ihr einen Neustart zu ermöglichen.
Ulrike Schneiders Verkörperung der Küsterin auf ihrem tragischen Weg von der moralischen Autorität des Dorfes zur verzweifelten Mörderin prägt diesen mit viel Beifall bedachten Opernabend. Wie ihr kunstvoller Gesang zum existenziellen Laut wird, als sie dem Wahnsinn verfällt, ist erschütternd und findet im Schuldbekenntnis in der Pose des Gekreuzigten einen bildhaften Höhepunkt.
Dabei wird das Pathos durch Janáceks Musik geerdet, denn sie ist stets der (tschechischen) Sprache und damit der Psyche der Figuren nahe. Auf ebenso natürliche wie sanft-tiefgründige Weise bringt dies Jaclyn Bermudez als Jenufa – stimmlich jederzeit souverän – zum Ausdruck.
Die innere Spannung des zurückgesetzten Laca lässt George Oniani mit fokussierter, mitunter auch harter Tenorstimme eindrucksvoll spüren, während Tobias Hächler den Aufschneider Stewa stimmlich souverän und darstellerisch brillant als charakterlichen Waschlappen vorführt. Sie alle sind eingebettet in ein starkes Ensemble samt Chor, aus dem Lona Culmer-Schellbach als alte Buryja stimmlich und optisch durch ihren Reichtum signalisierenden Pelzmantel (Kostüme: Henrike Bromber) herausragt.
Statt von einprägsamen Melodien lebt Janáčeks eigenwillige Musik von der Authentizität des sprachlichen Ausdrucks, der durch reiche Orchesterfarben (insbesondere in den Bläsern), rhythmische Prägnanz und eindringliche Wiederholungen verdichtet wird und dabei auch volksmusikalische Motive einbindet. Eine herausragende Leistung und ein Erlebnis, wie plastisch, präzise und gleichzeitig sensibel Generalmusikdirektor Francesco Angelico diese sehr komplexe Musik mit dem Staatsorchester, den Solisten und dem Opernchor in Szene setzt.  HNA online