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Pressestimmen zu Venus and Adonis

_______HNA [30.10.2017] mehr ...

Leid macht Liebe schön

von Werner Fritsch

Nicht im reinen Glück, sondern im Leiden findet die Musik ihren intensivsten Ausdruck. So auch in der Oper „Venus and Adonis“ des englischen Komponisten John Blow (1649-1708). Wie herzzerreißend da die Göttin Venus am Ende den Tod ihres Geliebten Adonis betrauert, dürfte das Publikum am englischen Hof zu Tränen gerührt haben. Es war auch ein starker Abschluss der Kasseler Aufführung am Samstag im Ballhaus am Schloss Wilhelmshöhe.

Zum zweiten Mal haben die Kasseler Musiktage in Kooperation mit dem Staatstheater eine Barockoper in konzertanter Fassung aufgelegt, die wegen ihrer Kürze – die drei Akte mit Vorspiel dauern nur gut 50 Minuten – im normalen Repertoire keinen Platz finden würde.

Erstaunlich, was John Blow, der vor allem als Lehrer und Freund Henry Purcells in Erinnerung geblieben ist, in dieses kompakte Stück alles hineingepackt hat. Wer bei Barockoper an endlose Da-capo-Arien denkt, wird angenehm überrascht. Woher die Gattung Oper nach England kam, nämlich aus Frankreich, zeigt die feierliche Ouvertüre im französischen Stil mit ihrem punktierten Rhythmus.

Doch nicht feierlich, sondern im fantasievoll-erzählenden Stil geht es weiter, wenn Amor (der hier Cupid heißt und von der Sopranistin Karola Sophia Schmid mit schöner Klarheit und Natürlichkeit verkörpert wurde) zusammen mit den Schäfern über das Spiel der Liebe sinniert. Ganz nebenbei kommen dabei auch die lockeren Sitten am englischen Hof zur Sprache. Nicht nur die Chorpartien der Schäfer und später der Grazien, sondern auch vier kleine solistische Rollen übernahm dabei sehr souverän der Kammerchor der Kasseler Universität Cantiamo piccolo (Leitung: Andreas Cessak).

Herzstück der Oper sind die Dialoge zwischen Venus und Adonis, bei denen es, fein verziert, in schlagfertiger Manier um „schöne Tage und unbesorgte Nächte“ geht. Die Sopranistin Jaclyn Bermudez und der Bariton Daniel Holzhauser verkörpern das Paar mit großer Intensität und Virtuosität. Um die erotische Spannung zu erhöhen, schickt Venus ihren Geliebten dann auf die Jagd.

Mit tödlichen Folgen: Während sie noch mit Amor über Liebe und Treue verhandelt und dazu kleine Liebesgötter auftreten – gesungen vom Jugendchor Cantamus (Leitung: Maria Radzikhovskiy) – wird Adonis von einem Keiler tödlich verletzt.

Wie dann die Musik in Wehklagen vergeht, gehört zu den eindrücklichsten Momenten dieses vom Barock-Spezialisten Jörg Halubek mit großer Sensibilität geleiteten Abends. Die acht Instrumentalisten, Streicher, zwei Blockflöten und Basso continuo, überzeugten nicht nur als Begleitensemble, sondern auch in den Zwischenspielen und eingefügten Tanznummern mit Barock-angepasster Spielweise – wobei die Streicher des Staatsorchesters erstmals mit Barockbögen agierten. Das 1810 erbaute prachtvolle Ballhaus erwies sich als optisch reizvoller Rahmen, die überharte Akustik war dagegen gewöhnungsbedürftig. Langer Beifall.