Zum Stück

Pressestimmen zu Die Präsidentinnen

_______hr2 Kultur [21.11.2017] mehr ...

Frühkritik

»Ein sehr gelungener Abend«  meint Andreas Wicke in seiner Frühkritik.
Die gesamte Kritik können Sie hier nachhören: hr2 Kultur

_______HNA [20.11.2017] mehr ...

Heilige Unterschicht

Werner Schwabs "Die Präsidentinnen" im Kasseler tif
Von Johannes Mundry

Was noch vor 27 Jahren bei der Uraufführung heftige Reaktionen erzeugte, ist heute fast zum Lustspiel mutiert. Werner Schwabs Dreifrauenstück „Die Präsidentinnen“ hatte am Freitagabend auf der Studiobühne des Kasseler Staatstheaters, im fast vollen Tif, Premiere, und man amüsierte sich prächtig. Die drei Damen Erna, Grete und Mariedl sitzen beisammen und schwadronieren über das Leben im Allgemeinen und Besonderen. Mehr und mehr steigern sie sich mithilfe der fein ziselierten Sprache des Österreichers, der sich an Silvester 1993 mit 4,1 Promille zu Tode gesoffen hat, in einen Rausch hinein. Die bescheidene Wirklichkeit weicht einer strahlenden Fantasie: Erna und ihr stattlicher polnischer Fleischer Wottila (!), Grete und Freddi, das Mannsbild aus der Blaskapelle, und Mariedl, die zwar keine Erfolge bei den Männern vorzubringen hat, aber beim Reinigen der verstopfen Aborte auf dem Volksfest reüssiert und dabei zu einer Heiligen der Kloschüssel wird. Unverzichtbar spielt Religiöses hinein. Ein Leitmotiv ist der Mensch als Produzent von „Stuhl“. Verdauung als Vorsehung. Der Redeschwall der Damen endet schließlich mit dem gewaltsamen Tod Mariedls. Und alles fängt von vorne an. Vom Band hört man wieder den Anfang des Dramas.
----------------------------------------------------------------------------------------------------------
Wie war´s? Überzeugt mit viel Tiefgang und Witz.
----------------------------------------------------------------------------------------------------------
Martin Schulze hat auf ein Bühnenbild weitgehend verzichtet. Einzig drei überlebensgroße Puppen sind die Heimstätte und Rückzugsort der schrägen Grazien, die in primitiven Kleidern stecken (Bühne/Kostüme: Ulrike Obermüller). Was im Stück überzeugt, ist die unantastbare Würde des Trios. Die Neuinszenierung stellt sie an keiner Stelle bloß, sodass keine Gefahr aufkam. Klamauk war nicht beabsichtigt, Tiefgang zweifellos da, auch wenn das entspannte Premierenpublikum viel und auch an unerwarteten Stellen lachte. Zum Ernst des Ansatzes trugen hauptsächlich die Schauspielerinnen des Abends bei: Christina Weiser als Erna, Eva-Maria Keller als Grete und Michaela Klamminger als Mariedl. Jede erspielte sich ihr ganz eigenes Profil, sprach und agierte unverwechselbar. Theater der feinen Sorte.

HNA