Zum Stück

Pressestimmen zu Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch

_______HNA [16.11.2017] mehr ...

Raus aus der Bequemlichkeit

Schön schräg: Das Staatstheater zeigt „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch" von Michael Ende.

Von Bettina Fraschke

Du liebes Dioxinchen! Wenn Zauberer Prof. Dr. Beelzebub Irrwitzer und Geldhexe Tyrannja Vamperl ihre vertraglichen Verpflichtungen vorschriftsmäßig erfüllen wollen, müssen sie bis Jahreswechsel noch einige Tie rarten aussterben lassen, muss Natur vergiftet und zerstört werden. Doch es ist schon Silvesternachmittag, und so entscheiden sich die heimtückischen Herrschaften, einen Trank zu brauen, der ihre Unheil-Intensität deutlich steigert, damit sich noch bis Mitternacht das Plansoll erfüllen lässt. Und der Kater, der als Spion vom Rat der Tiere eingeschleust worden war, um das Geschehen wenigstens im Blick zu haben, ist von Pizza aus der Pappschachtel träge geworden, korrumpiert, und lümmelt sich im flauschigen Pullunder lieber auf der Polsterbank, als dem manischen Zauberer Einhalt zu gebieten. Gibt es kein Gegengift für diesen satanarchäolügenialkohöllischen Wunschpunsch?
Michael Endes herrlich abgedrehtes Stück „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ handelt von der Flucht in die Bequemlichkeit, von Gegnern, die sich zusammenraufen, weil sie merken, dass sie eigentlich dieselben Interessen haben, und davon, dass auch Wesen, die mit weniger Kraft und Mut ausgestattet sind, die Welt retten können. Philipp Rosendahl inszeniert das 75-minütige Stück aktuell und ohne erhobenen Zeigefinger als witzigen und recht schrillen Bilderreigen in der detailreich ausgestatteten Bühne von Sibylle Pfeiffer und mit wunderbar fantasievollen Kostümen von Isabell Heinke. Das junge Publikum spendete am Mittwoch bei der Premiere im ausverkauften Opernhaus kräftigen Applaus. So wohnt der Zauberer, den Aljoscha Langel mit türkisen Haaren und einer beleuchtbaren Lupenbrille als eine Art „Zurück in die Zukunft“-Professor anlegt, in einer bunten Orgel. Wenn Bernd Hölscher als majestätische Matrone Tyrannja Vamperl die riesigen Orgelpfeifen anschlägt, benutzt er Klöppel mit Plüschaffenköpfchen. Peter Elters Kater Maurizio de Mauro daddelt Computerspiele und Alexandra Lukas hat als graziöser Rabe Jakob Krakel einen kahl gewordenen Schädel.
Es wird gezaubert, es donnert, schneit und wird mit einer Konfettikanone geschossen. Auch eine Liveband spielt – mit Elfenohren ausgestattet – mal punkige Polka, mal HipHop (Musik und Einstudierung: Thorsten Drücker). Zur Premiere war die Tonabstimmung allerdings so krachig, dass bei den Songs (und auch, wenn in die Mikroports geschrieen wurde) die Texte kaum zu verstehen waren. Da kann sicher noch nachjustiert werden.Intendant Thomas Bockelmann hat Auftritte als pomadiger Gerichtsvollzieher Maledictus Made mit acht Armen, sowie als ehrwürdig-verschrobener St. Sylvester, der im Kirchturm residiert. Der könnte dann auch das Zaubermittel bereithalten, das den immer betrunkener daherlallenden Bösewichten womöglich Einhalt gebieten kann.

HNA