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Pressestimmen zu Katzenjammer, Schwarze Katze, Weiße Katze

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Liederabend: Frauen in Gefühlsextremen

Katzenjammer, schwarze Katze, weiße Katze im Foyer des Kasseler Schauspielhauses 
von Bettina Fraschke
„Baby, verstehst du mich jetzt? Manchmal fühle ich mich ein bisschen verrückt“ – so singt Caroline Dietrich in „Don’t Let Me Be Misunderstood“. Und genau diesem manchmal vielleicht gar nicht so unangenehmen Verrücktheitsgefühl konnten sich die Besucher am Kasseler Schauspielhaus herrlich hingeben, als am Samstag mit dem Late-Night-Programm „Katzenjammer, schwarze Katze, weiße Katze“ im Foyer die Saison eröffnet wurde. Während noch die Männerband um Thorsten Drücker (musikalische Leitung), Hagen Bähr, Konstantin Marsch und Lukas Umlauft auf der Bühne musikalisch fragte „Do You Still Love Me?“ fuhr draußen eine elegante Citroën DS vor, und drei glamouröse Damen entstiegen ihr. Sonnenbrillen, Kleider, hohe Absätze, Fellkapuze, Wallehaar (Austattung: Sibylle Pfeiffer). Christina Weiser, Caroline Dietrich und Rahel Weiss enterten das Geschehen, fingen am Mikro divenhaft mit Whitney Huston und Juliane Werding an, und landeten nach Balladen- und Couplet-Abstechern mit Brecht und Kreisler alsbald in der Körperflüssigkeiten-orientierten Welt des HipHop und des Schnodderpop mit Songs des Frauen-Rapduos SXTN („Er will Sex“), von Schnipo Schranke („Pisse“) und von den Urpunkern Dead Kennedys, deren Hit hier allerdings der Coverband Nouvelle Vague zugeschrieben wird: „Too Drunk To Fuck“. Noch ist der Abend nicht ganz rund, das liegt sicher auch daran, dass die vierte Sängerin, Maria Munkert, krankheitsbedingt ausfällt, ihre Stimmfarbe, ihr Stil zum Konzept gehören, am Premierenabend aber fehlten. Möglicherweise muss auch beim krachigen Garagensound noch etwas nachjustiert werden. Und es ist nicht ganz fair, am Frauenabend ausgerechnet einen grandiosen Ausnahmesänger wie Hagen Bähr „So Lonely“ von The Police anstimmen zu lassen.
In einer Dramaturgie der Gefühlszustände lässt Regisseur Thomas Bockelmann Dietrich, Weiser und Weiss Euphorie, Selbstüberschätzung, Verzweiflung und Sehnsucht durchmessen. Toll etwa Christina Weiser mit Sophie Hungers „Walzer für niemand“. Witzig wird es, wenn die drei, die auf der Theaterbühne ja auch für ihre komischen Rollengestaltungen bejubelt werden, hemmungslos überkandidelt sind, etwa Rahel Weiss als großäugig-naives Groupie in „Bandmatratze“ von Annamateur („Come with me to bed, Autogramm brauch ich keins“). Tiefgründige Balladenkraft erzeugt Caroline Dietrich mit „Bloody Motherfucking Asshole“ von Martha Wainwright – ein Höhepunkt. Am Ende kommen alle zusammen in „Bei mir bist du scheen“ von den Andrew Sisters, und das Publikum im vollbesetzten Foyer erklatschte noch weitere Zugaben.

HNA