Zum Stück

Pressestimmen zu Rum und Wodka

_______Kulturmagazin [01.07.2017] mehr ...

Der Weg nach ganz unten

Das tragikomödische Ein-Mann-Stück »Rum und Wodka« mit Lukas Umlauft

Von Johannes Mundry

Ein Mann, ein Wort. Ein Schauspieler, ein ganzes Stück. 75 Minuten lang spielt Lukas Umlauft diesen Typ aus Dublin. Mike heißt er und ist ein ziemliches A.....ch. Und weiß es auch. Er plaudert drauflos, lässt das Publikum im tif-Foyer teilhaben an den letzten für ihn so fatalen Tagen. Der Rausschmiss von der Arbeit, der Zoff mit der Ehefrau, das aufgegabelte Mädchen aus gutem Hause. Und an allem sind nur »Rum und Wodka« schuld – so heißt das Stück des Iren Conor McPherson – nebst landestypisch viel Bier und Whisky. Der Text des schon 25 Jahren alten Ein-Mann-Stücks sitzt bis in die letzte Formulierung. Eigentlich müsste man sich von dem Versager abwenden, aber der Keim des Menschlichen, die oft zutreffende und doch konsequenzlose Selbstanalyse lassen Raum für einen letzten Rest Sympathie. Ob dieser junge Mann nun eine Art Odysseus ist, wie es das als Getränkekarte gestaltete Programmblatt behauptet? Man darf zweifeln. Nicht jeder in Irland ist ein Ulysses. Für Kassel hat Janis Knorr das Stück inszeniert. Mehr braucht sie dazu nicht als einen Tisch, der zuerst Schreibtisch, dann auch Bett und Gefängnis darstellt. Lukas Umlauft mischt sich vor Beginn unbemerkt unter das Publikum, fragt »Was treibt Sie denn hierher?« Dann zieht er sich aus (warum?), um sich bald wieder anzuziehen. Er kann so wunderbar mit den Augen rollen und sucht den Kontakt mit dem jungen Publikum. Umlauft wirkt bei souveräner Textbeherrschung von Anfang an glaubwürdig, auch weil er nicht übertreibt - eine außergewöhnliche Leistung. Diese Tragikomödie eines Gescheiterten, der am Ende am Bett seiner beiden schlafenden Töchter nicht mehr weiterweiß, lohnt den Besuch, auch spätabends um elf.

_______HNA [12.06.2017] mehr ...

Frischhaltefolie um den Kopf

Lukas Umlauft spielt im Ein-Personen-Stück Rum und Wodka spätabends im Foyer des tif
Von Bettina Fraschke

Leider gehört der Säufer nicht zu jenen von ihm bewunderten Typen, »die ein Fass Guinness trinken können, vier Stunden schlafen und dann immer noch aussehen, als führten sie einen Naturkostladen«. Trinken ist zwar seine Hauptbeschäftigung – besonders Rum und Wodka, ein Alkoholgemisch, gegen den sich der beliebte Absturz-Cocktail Zombie eher wie eine Kindergeburtstagsbrause ausnimmt. Aber das Komasaufen führt in seinem Fall dazu, dass die komplette bürgerliche Existenz binnen weniger Tage ausgelöscht wird. Von diesem promillegetriebenen Absturz erzählt die namenlose Gestalt in Conor McPhersons Ein-Mann-Drama Rum und Wodka. Vielleicht heißt er ja tatsächlich Michael, aber das könnte auch ein Fake sein, den er lediglich für seine Pubbekanntschaft mit den ansprechenden Brüsten erfunden hat. Das Staatstheater zeigt das 70-Minuten-Stück als Late-Night-Produktion im Tif-Foyer. Der Programmzettel sieht aus wie eine Cocktailkarte. Scheu vor Begriffen wie Arschfotze sollten Besucher nicht haben, die dauer-eingesetzte Lieblingsbeschimpfung des einsamen Wolfes.
Lukas Umlauft spielt diesen abgerockten Typen mit dem Fatalismus desjenigen, der genau weiß, in was für einen Unfug er sich reinmanövriert, davor aber gern ganz fest die Augen verschließt. Zynismus blitzt auf, dazu unterschwellige Verzweiflung und kaum kaschierte Zerbrechlichkeit. Besonders schön sind die Momente, wo Umlaufts Figur kleine Begegnungen und Szenen nachspielt, etwa den Moment, wo die flüchtige Barbekanntschaft sich an ihn presst und er sich mit Micky-Maus-Stimme ihrer körperlichen Vorzüge bewusst wird. Regisseur Janis Knorr und Ausstatterin Arielle Karatolou haben sich viel einfallen lassen, um das Setting abwechslungsreich aufzubauen. Highlight: der Einsatz von Frischhaltefolie um Körper und Möbel – so fühlt sich das an, wenn der Kopf nicht recht mitmacht. Die Textvorlage ist (manchmal zu sehr) spürbar auf Pointe, auf Lacher hin geschrieben. Comedymäßig. Problematisch ist die Idee des Regieteams in den deutschen Texte englische Sätze einzubauen. Monologbrocken, die einfach nicht übersetzt sind. Sätze wie »My overall fucked upness« mögen im Englischen toll formuliert sein und cool wirken, sie wären aber problemlos ins Deutsche übertragbar. Innerhalb des Abends wirken sie störend wie Fremdkörper, und sie erfüllen dramaturgisch und erzählerisch keinerlei Zweck . Wenn man den Originalsound hörbar machen will, wäre eine wohl tragfähigere Idee, das Stück ab und an im Original zu spielen.

HNA