Die Orestie

Aischylos
Fassung von Johanna Wehner
Ausgezeichnet mit dem Deutschen Theaterpreis 2017 DER FAUST für die beste Schauspielregie
WIEDERAUFNAHME   29. September 2018
Dauer 2 Stunden 
Schauspielhaus
THEATERTAG: Karten 7 €
Fr 01 Feb

Rache ist ein gutes Gefühl. Doch wenn eine Familie von einer solchen Kette von schrecklichen Taten heimgesucht wird wie in Aischylos’ Geschichte der Atriden – dann ist die Frage berechtigt: Warum soll denn (in Gottes Namen?) Orest seine Mutter und ihren Liebhaber umbringen, weil diese wiederum seinen Vater ermordet hat? Ist es nicht alles schon schlimm genug?
19:30 — 21:30 Uhr
http://www.staatstheater-kassel.de/ Staatstheater Kassel Friedrichsplatz 15, 34117 Kassel
Gastspiel in Ludwigshafen
Fr 08 Feb

Rache ist ein gutes Gefühl. Doch wenn eine Familie von einer solchen Kette von schrecklichen Taten heimgesucht wird wie in Aischylos’ Geschichte der Atriden – dann ist die Frage berechtigt: Warum soll denn (in Gottes Namen?) Orest seine Mutter und ihren Liebhaber umbringen, weil diese wiederum seinen Vater ermordet hat? Ist es nicht alles schon schlimm genug?
19:30 — 21:30 Uhr
http://www.staatstheater-kassel.de/ Staatstheater Kassel Friedrichsplatz 15, 34117 Kassel
Fr 15 Feb

Rache ist ein gutes Gefühl. Doch wenn eine Familie von einer solchen Kette von schrecklichen Taten heimgesucht wird wie in Aischylos’ Geschichte der Atriden – dann ist die Frage berechtigt: Warum soll denn (in Gottes Namen?) Orest seine Mutter und ihren Liebhaber umbringen, weil diese wiederum seinen Vater ermordet hat? Ist es nicht alles schon schlimm genug?
19:30 — 21:30 Uhr
http://www.staatstheater-kassel.de/ Staatstheater Kassel Friedrichsplatz 15, 34117 Kassel

Inhalt
Rache ist ein gutes Gefühl. Unzählige Tragödien, Romane und Filme beziehen aus der Lust an der Rache ihre Spannungsbögen. Auch in Aischylos’ Tragödientrilogie Orestie geht es um eine Verkettung von Gewalttaten, die gemeinhin mit dem Fluch begründet werden, der auf dem Geschlecht der Atriden lastet. Doch Aischylos lässt seine Figuren nicht »automatisch« handeln, sondern schafft eine Lücke: einen kurzen Moment der Reflexion vor der jeweiligen Tat. Das wirft die Frage auf, ob es nicht vielleicht besser wäre, nicht zum Mordwerkzeug zu greifen, sondern traurig zu sein über die bisherigen Toten. Doch das ist leider viel schwerer. Der Krieg um Troja ist zu Ende. Agamemnon, König von Mykene, kehrt nach zehn Jahren siegreich zurück. Doch seine Gattin Klytaimnestra bereitet nicht ein Fest vor, sondern ihre Rache. Agamemnon hatte nämlich auf Geheiß der Götter für seinen militärischen Erfolg ihre gemeinsame Tochter Iphigenie geopfert. Klytaimnestra, die sich im Einklang mit göttlichem Recht fühlt, erschlägt ihren Gatten mit der Axt – gemeinsam mit ihrem Geliebten Aigisthos. Orest, Agamemnons Sohn, kehrt aus der Fremde nach Hause und beschließt, seinerseits Rache zu üben. Er tötet Aigisthos und seine herbeieilende Mutter Klytaimnestra – und wird darauf von den Erinnyen, den Rachegöttinnen, heimgesucht. Die Göttin Athene, Schutzgöttin der Stadt Athen zu Aischylos’ Zeit, schlägt am Ende dieses Götter- und Menschenzwists ein gerichtsförmiges Verfahren vor, bei dem über Orests Strafe entschieden werden soll.
Ausgezeichnet
mit dem Theaterpreis »Der Faust«
Regisseurin Johanna Wehner ist für diese Inszenierung am 3. November mit dem Deutschen Theaterpreis »Der Faust 2017« für die beste Schauspielregie des Jahres ausgezeichnet worden. 
Pressestimmen
HNA, Bettina Fraschke
Wie war's?
Ein großartiger Theaterabend, der den antiken Stoff ganz nah ans Heute bringt, ohne ihn zu banalisieren.
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20. Februar 2017
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HNA  20. Februar 2017

Der Moment, wenn der Zweifel einsetzt

Wie war's?
Ein großartiger Theaterabend, der den antiken Stoff ganz nah ans Heute bringt, ohne ihn zu banalisieren.
DER MOMENT, WENN DER ZWEIFEL EINSETZT

Johanna Wehners großartige Inszenierung von Aischylos' antiker Tragödientrilogie Die Orestie hatte Premiere


Am Ende fragt die Göttin Athene (Eva-Maria Keller), ob die Menschen Gerechtigkeit oder Rache suchen. Ob sie bereit sind, ihr Handeln nach vernunftbasierten Maßstäben prüfen zu lassen, oder sich darauf berufen, es ginge um einen alten Fluch, der Morden und Metzeln vorherbestimme, gegen den man also nichts machen könne. Aischylos’ Tragödientrilogie Die Orestie feierte am Freitag im nicht ausverkauften Kasseler Schauspielhaus Premiere, und die großartige Inszenierung von Johanna Wehner präparierte die Aktualität des antiken Stoffs heraus, ohne sie banal ins Heute zu transferieren. Lang anhaltender Applaus würdigte die fulminante Ensembleleistung von Caroline Dietrich, Christina Weiser, Eva-Maria Keller, Marius Bistritzky, Hagen Bähr, Konstantin Marsch, Christian Ehrich, Enrique Keil und Uwe Steinbruch, die mal als antiker Chor und mal in individuellen Rollen auftreten. Die Geschichte um Orest, der aus der Verbannung nach Hause zurückkehrt und seine Mutter und deren Liebhaber tötet aus Rache für deren Mord an seinem Vater, siedelt Wehner in einer alten Villa an. Bühnenbildner Benjamin Schönecker hat sie in großartigem Detailreichtum als verstaubte Erinnerung an einstige Grandezza gestaltet. Nostalgische Fliesen sind über den Waschbecken angebracht, auf einigen aber auch Klebebildchen wie aus Süßigkeitenpackungen. Es gibt Kronleuchter, eine Standuhr, die immer mal aufgezogen wird, ein Wandtelefon, einen großen Tisch in der Mitte und eine Treppe. Am Anfang trauen sich die Figuren von der Balustrade dort kaum hinunter. Wie kehrt man zurück in den Alltag, in das Zuhause am Ende eines Kriegs? Eine Staubwolke schwebt in der Luft, auch Frisuren und Gewänder (Ellen Hofmann) wirken verstaubt, altmodisch, auch wenn es sich um normale Jeansjacken, Strickpullunder und Chinohosen handelt.

Die neun Darsteller sprechen als Chor stark rhythmisiert, oder sie ergänzen einander wortweise die Sätze. Hier wird eine genaue Personenführung sichtbar, eine präzise Choreografie des Ensembles, das mal als Menschenmenge, mal gar als wütender Stammtisch-Mob in Prügellaune und mal in zögerliche Individuen auseinanderfällt. In der Stimmenvielfalt verbalisiert sich das Nachdenken über die immer wieder variierte Kernfrage: Handeln oder Schweigen. Verantwortung übernehmen und die Gewaltspirale der Rache unterbrechen, oder sich in der Masse wegducken? Die von Johanna Wehner auf Basis der Übersetzung von Peter Stein erstellte Textfassung arbeitet bis ins Kleinste durchanalysiert mit Wortwiederholungen, mit klassischen (»Ein Stier steht mir auf der Zunge.«) ebenso wie mit umgangssprachlichen Formulierungen (»Hömma«), und setzt Brüche an jene Stellen, wo der Zweifel einsetzt. Zu den Höhepunkten gehören Christina Weisers verbitterter Monolog als Klytaimnestra, die von der Demütigung durch ihren Mann und der niemals stillbaren Trauer über dessen Mord an ihrer Tochter Iphigenie spricht, Enrique Keil, der als Agamemnon nach Kriegsende im Alltag ankommen will und am Tisch vergeblich versucht, Hände zu schütteln. Und Hagen Bähr, der als Orestes am Ende gerichtlich freigesprochen wird. Er sitzt dann aber ratlos da, während um ihn herum Dutzende Grabkränze aufgestellt werden. Die Villa wird zur Gruft.
Bettina Fraschke
... und das Leben! Ein Kultur-Blog, Marcel Lorenz
Starkes Stück in starker Fassung, stark inszeniert, stark besetzt.
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... und das Leben! Ein Kultur-Blog 
Starkes Stück in starker Fassung, stark inszeniert, stark besetzt.
[...] Ein ohne Abstriche gelungener Theaterabend in Kassel und der Beweis, dass antikes Theater auch heute noch große Wirkung haben kann. [...]
Marcel Lorenz