Ein Sommernachtstraum

William Shakespeare
Deutsch von Frank Günther 
WIEDERAUFNAHME   12. September 2018 | Schauspielhaus
Dauer 2 Stunden 30 Minuten
Schauspielhaus
So 14 Okt

Liebe verwandelt sich in Grauen und wieder in Liebe, Freunde in Ungeheuer: die Wirklichkeit einer verwirrenden Nacht. Doch die Wirklichkeit des gesamten Lebens kann niemals die volle Wahrheit sein. Und ein Traum ist niemals nur ein Traum …
19:30 — 22:00 Uhr
http://www.staatstheater-kassel.de/ Staatstheater Kassel Friedrichsplatz 15, 34117 Kassel
Di 16 Okt

Liebe verwandelt sich in Grauen und wieder in Liebe, Freunde in Ungeheuer: die Wirklichkeit einer verwirrenden Nacht. Doch die Wirklichkeit des gesamten Lebens kann niemals die volle Wahrheit sein. Und ein Traum ist niemals nur ein Traum …
19:30 — 22:00 Uhr
http://www.staatstheater-kassel.de/ Staatstheater Kassel Friedrichsplatz 15, 34117 Kassel
Fr 26 Okt

Liebe verwandelt sich in Grauen und wieder in Liebe, Freunde in Ungeheuer: die Wirklichkeit einer verwirrenden Nacht. Doch die Wirklichkeit des gesamten Lebens kann niemals die volle Wahrheit sein. Und ein Traum ist niemals nur ein Traum …
19:30 — 22:00 Uhr
http://www.staatstheater-kassel.de/ Staatstheater Kassel Friedrichsplatz 15, 34117 Kassel

Inhalt
Sei wie zu deinem Hund, verjag mich, schlag mich, vergiss mich, tritt mich, nur erlaube mir, Unwürdig, wie ich bin, dir nachzulaufen.
Die süßesten Sachen, im Übermaß genossen, sagt Lysander, führen zu Überdruss und Ekel. So kann ein Traum die Welt eines Menschen einstürzen und eine neue für einen anderen entstehen lassen. Hermia liebt Lysander und Lysander liebt Hermia, aber ihr Vater möchte sie mit Demetrius verheiraten. Die bedrohten Liebenden fliehen in den Wald vor Athen; ein zweites Paar, von Anfang an überzeugt, niemals zusammenzufinden, folgt ihnen: Helena, die Demetrius liebt, der aber seinen Anspruch auf Hermia geltend machen will. Das Begehren aller vier wechselt in zerstörerischer Schnelligkeit immer wieder seine Richtung; die geliebte Person wird abstoßend, das Ungeliebte zum Ideal. Oberon und sein Gehilfe Puck bringen ein Liebeszaubermittel ins Spiel, das die Gefühle bis zum Wahnsinn steigert und zu Identitätszweifeln führt.

So ist die Sommernacht kein Paradies der wahren Liebe, in der Vernunft und Moral durch Leidenschaft und Begehren ersetzt werden, sondern vielmehr eine Hölle, die die vier jungen Menschen sich selbst geschaffen haben. Doch selbst die Götter dieser Welt, Titania und Oberon, sind in dieser Hölle gefangen, in der die Jahreszeiten umgekehrt werden und in der Götter menschliche Konflikte austragen. Jeder Protagonist wird dem anderen zum Ungeheuer, die Menschlichkeit wird abgelegt und Bestien treten hervor. Doch endet der Traum, wenn der Tag anbricht, und können Ordnung und Zivilisation den Paaren Heilung bringen? Denn die Verwandlungskraft der Liebe scheint zu gewaltig, um sie kontrollieren zu können und bringt auch zweifelhafte Wandlungen hervor…

Mit dem Sommernachtstraum inszeniert Laura Linnenbaum zum zweiten Mal am Staatstheater Kassel und untersucht in der raffinierten, mythenbesetzen Komödie den Wechsel von Licht und Schatten in unseren heutigen selbstzerstörerischen Leidenschaften und den ständig oszillierenden Selbstwert im Blick des Anderen.
Pressestimmen
HNA, Maja Yüce
Wie war´s?
Kurzweilige zweieinhalb Stunden mit tollen Einfällen – quirlig, lustig und nachdenklich.
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HNA 
Wie war´s?
Kurzweilige zweieinhalb Stunden mit tollen Einfällen – quirlig, lustig und nachdenklich.
DIE LIEBE IST EIN LUFTBALLON

Sehr gelungene Premiere von Shakespeares »Ein Sommernachtstraum« von Laura Linnenbaum

Die Liebe ist wie ein Luftballon: Sie kann zerplatzen. Mit einem Knall wird sie dann zu einem luftigen Nichts. Eine Wand aus großen weißen Ballons ersetzt den Vorhang, verdichtet die Bühne und wird schon bald zum Wald – einem organischen Innengewölbe – in dem sich die in Hochzeitskleidern steckenden Verliebten und die Zauberwesen verirren. Der Zaubersaft, der Menschen und Elfen in Liebe ausbrechen lässt, sobald sie die Augen aufschlagen, fällt wie Glitter-Konfettiregen auf die Bühne im Kasseler Schauspielhaus herab. Auch zu einer quirligen Verfolgungsjagd zur Rummelplatzmusik wird es kommen und zu wüsten Beschimpfungen – ein Jahrmarkt der Eitelkeiten, getrieben vom Begehren, bei dem jeder mal zum Jäger und zum Gejagten wird. 
Der »Sommernachtstraum«, den Laura Linnenbaum jetzt für das Kasseler Staatstheater inszeniert hat, zeigt, wie aktuell das x-mal gezeigte Shakespeare-Stück gelesen werden kann. Die Gast-Regisseurin war mit dem Generationen-Stück »Die Unverheiratete« 2016 bereits in Kassel zu erleben. Dem klassischen Stoff über die vier jungen Liebenden, die erst mal alle an den Falschen geraten, einen frechen Puck (Maria Munkert) und ein Strippen ziehendes Elfenkönigspaar nähert sich Linnenbaum mit heutigem, modernen Blick. Sie gestattet sich manchen schnellen kleinen Witz. Setzt auch auf Klamauk (beim eselsköpfigen Zettel). Sie macht aber auch sichtbar, wie die ganze Sache vor allem für die beiden Frauen doch nicht nur ein Späßchen ist.Lysander (Marius Bistritzky), Hermia (Rahel Weiss), Demetrius (Lukas Umlauft) und Helena (Pauline Kästner) tragen Brautkleider – in den letzten Gefühlsumwälzungen teils nur weiße Unterwäsche (Kostüme: Ulrike Obermüller). Sie betreten die Bühne anfangs einzeln, sagen »Ich liebe dich« ins Mikrofon. Schon dabei wirken sie vor allem verliebt in den Zustand des Verliebtseins.

Der knapp zweieinhalbstündige Theaterabend, der am Samstagabend Premiere hatte, ist trotz aller Drolligkeiten und witzigen Einfälle keineswegs kitschig. Toll, wie Konstantin Marsch als Zettel kurz den amerikanischen Präsidenten Donald Trump gibt und zum Brüllen komisch, wie Artur Spannagel als Schreiner Schnock zum braven Löwen wird. Das Abgleiten verhindern zum einen das feine Gespür Linnenbaums und der Schauspieler für die intensiven Momente, für zauberhafte Bilder und Metaphern. Und zum anderen die Auswahl der Musikstücke: Etwa das immer wieder erstaunlich perfekt passende »Wicked Game« von Chris Isaak. Das gibt es rockig und mal sanft von der Lysander-Hermia-Helena-Demetrius-Band und auch auf der Nasenflöte von den Handwerkern zu hören. Die bodenständigen Praktiker mit ihrem Spiel im Spiel beeindrucken mit herrlich plumpem Auftreten.Natürlich ist es auch ein böses und wortgewaltiges Spiel, mit einer teils brutal-schrillen Sprache (»Fette Fotze«, »Bulemie-Opfer«, »Arschloch«), was Linnenbaum so mit etwas Ruckeln in das Jetzt katapultiert. Doch gelingt es ihr, all das mit Shakespeare zur Einheit zu runden. Allzuviel Süße verhindert das nüchterne, gänzlich abstrakte weiße Ballon-Bühnenbild von Daniel Roskamp, das in schwarz-weiß und mal in liebeswahnsinniges-rosa getaucht (Licht: Oskar Bosmann) wird. Das dichte Spiel der Darsteller sorgt für Zug und Spannung in der Inszenierung. Es lässt fast immer auch die düstere Ebene unter der Komik spürbar werden – in allen Welten schreibt man Streit groß. Insgesamt entsteht eine hohe Spielenergie, die in einer rauschhaften Nacht im Wald gipfelt – und so manchen Traum an die Liebe mit lautem Knallen platzen lässt. Minutenlanger, begeisterter Applaus.     
Maja Yüce
nachtkritik, Alexander Jürgs
Dieser Mut zur Drastik, zur Hysterie macht Linnenbaums »Sommernachtstraum« so stark.
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nachtkritik 
Dieser Mut zur Drastik, zur Hysterie macht Linnenbaums »Sommernachtstraum« so stark.
Sturm, Drang und Pop

Ein Sommernachtstraum – Am Staatstheater Kassel macht Laura Linnenbaum aus dem Shakespeare-Klassiker einen psychedelischen Trip
[...]
Dieser Mut zur Drastik, zur Hysterie macht Linnenbaums Sommernachtstraumso stark. Indem sie alles Schräge und Skurrile darin so intensiv auskostet, macht die Regisseurin deutlich, was für ein wunderbar-überdrehtes Stück dieser rauf und runter gespielte Klassiker noch immer ist. Mit ihrer auf den ersten Blick unklassischen Inszenierung des Stücks, vom britischen Nationaldichter ursprünglich für eine Adelshochzeit verfasst, dürfte Linnenbaum dessen Kern wohl deutlich näher kommen als jede bedacht »werktreue« Fassung. [...]
Alexander Jürgs