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Rum und Wodka

Conor McPherson
Dauer 1 Stunde 10 Minuten 
tif – Theater im Fridericianum
Sa 30 Mär

Alkohol. Schwarzes Loch. Verabscheutes Leben. Selbsthass. Mehr Alkohol. Erinnerungen. Ausbruch. Absturz. Einsamkeit. Sehr viel Alkohol. 
20:15 — 21:25 Uhr
http://www.staatstheater-kassel.de/ Staatstheater Kassel Friedrichsplatz 15, 34117 Kassel

Inhalt
Überfordert mit der Familienvaterrolle, in die er mit 20 hineingeschlittert ist, selbst noch ein halbes Kind, flüchtet sich der Mann in den Alkohol – und die Spirale in den Abgrund beginnt. Seinen langweiligen Job wirft er hin und betrinkt sich erstmal. Das schöne Wochenende endet im Bett einer anderen Frau  und er ist »happy as a pig in shit«. Sonntagnachts kriecht er dann wie ein kranker Hund nach Hause, steht am Bett seiner beiden schlafenden Kinder – und kann seine Existenz nicht mehr ertragen.

Der irische Autor und Regisseur Conor McPherson wurde 1971 in Dublin geboren. Rum und Wodka inszenierte er 1992 am University College Dublin. Es war sein erstes Stück. Es folgten Salzwasser, Das Wehr, Der gute Dieb und viele weitere Stücke und auch Filme, für die er zahlreiche Auszeichnungen erhielt.
Besetzung
Inszenierung
Bühne und Kostüme
Ariella Karatolou
Dramaturgie
Pressestimmen
HNA, Bettina Fraschke
Zynismus blitzt auf, dazu unterschwellige Verzweiflung und kaum kaschierte Zerbrechlichkeit. Besonders schön sind die Momente, wo Umlaufts Figur kleine Begegnungen und Szenen nachspielt […]
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12. Juni 2017
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HNA  12. Juni 2017

Frischhaltefolie um den Kopf

Zynismus blitzt auf, dazu unterschwellige Verzweiflung und kaum kaschierte Zerbrechlichkeit. Besonders schön sind die Momente, wo Umlaufts Figur kleine Begegnungen und Szenen nachspielt […]
Lukas Umlauft spielt im Ein-Personen-Stück Rum und Wodka spätabends im Foyer des tif. 

Leider gehört der Säufer nicht zu jenen von ihm bewunderten Typen, »die ein Fass Guinness trinken können, vier Stunden schlafen und dann immer noch aussehen, als führten sie einen Naturkostladen«. Trinken ist zwar seine Hauptbeschäftigung – besonders Rum und Wodka, ein Alkoholgemisch, gegen den sich der beliebte Absturz-Cocktail Zombie eher wie eine Kindergeburtstagsbrause ausnimmt. Aber das Komasaufen führt in seinem Fall dazu, dass die komplette bürgerliche Existenz binnen weniger Tage ausgelöscht wird. Von diesem promillegetriebenen Absturz erzählt die namenlose Gestalt in Conor McPhersons Ein-Mann-Drama Rum und Wodka. Vielleicht heißt er ja tatsächlich Michael, aber das könnte auch ein Fake sein, den er lediglich für seine Pubbekanntschaft mit den ansprechenden Brüsten erfunden hat. Das Staatstheater zeigt das 70-Minuten-Stück als Late-Night-Produktion im Tif-Foyer. Der Programmzettel sieht aus wie eine Cocktailkarte. Scheu vor Begriffen wie Arschfotze sollten Besucher nicht haben, die dauer-eingesetzte Lieblingsbeschimpfung des einsamen Wolfes. Lukas Umlauft spielt diesen abgerockten Typen mit dem Fatalismus desjenigen, der genau weiß, in was für einen Unfug er sich reinmanövriert, davor aber gern ganz fest die Augen verschließt. Zynismus blitzt auf, dazu unterschwellige Verzweiflung und kaum kaschierte Zerbrechlichkeit. Besonders schön sind die Momente, wo Umlaufts Figur kleine Begegnungen und Szenen nachspielt, etwa den Moment, wo die flüchtige Barbekanntschaft sich an ihn presst und er sich mit Micky-Maus-Stimme ihrer körperlichen Vorzüge bewusst wird. Regisseur Janis Knorr und Ausstatterin Arielle Karatolou haben sich viel einfallen lassen, um das Setting abwechslungsreich aufzubauen. Highlight: der Einsatz von Frischhaltefolie um Körper und Möbel – so fühlt sich das an, wenn der Kopf nicht recht mitmacht. Die Textvorlage ist (manchmal zu sehr) spürbar auf Pointe, auf Lacher hin geschrieben. Comedymäßig. Problematisch ist die Idee des Regieteams in den deutschen Texte englische Sätze einzubauen. Monologbrocken, die einfach nicht übersetzt sind. Sätze wie »My overall fucked upness« mögen im Englischen toll formuliert sein und cool wirken, sie wären aber problemlos ins Deutsche übertragbar. Innerhalb des Abends wirken sie störend wie Fremdkörper, und sie erfüllen dramaturgisch und erzählerisch keinerlei Zweck . Wenn man den Originalsound hörbar machen will, wäre eine wohl tragfähigere Idee, das Stück ab und an im Original zu spielen.
Bettina Fraschke
KulturMagazin, Johannes Mundry
Umlauft wirkt bei souveräner Textbeherrschung von Anfang an glaubwürdig, auch weil er nicht übertreibt – eine außergewöhnliche Leistung.
Juli 2017