Lucia di Lammermoor
Musikalische Leitung: Marco Comin
Inszenierung: Sabine Hartmannshenn
Premiere: 12. Juni 2009, Opernhaus
Nach dem charmanten LIEBESTRANK stellt sich uns Gaetano Donizetti mit der Geschichte der LUCIA DI LAMMERMOOR nun als Maler musikalischer Tragik vor. Ihr Triumph war schon bei der Uraufführung am 26. September 1835 in Neapel grandios: Die Oper sei in Szene gegangen, meldete Donizetti drei Tage später an seinen Ver-leger Ricordi »und sehen Sie es mir freundlich nach, wenn ich es mir herausnehme, die Wahrheit zu sagen. Sie hat gefallen, wenn ich dem Beifall und den Komplimenten trauen darf, die mir gemacht wurden. Oft wurde ich herausgerufen, die Sänger noch öfter!«
Schon die Eröffnung mit dem düsteren Paukenwirbel zeigt den tragischen Verlauf von Lucias Geschichte an: Ihre Verzweiflung entlädt sich in der berühmtesten Wahnsinnsszene der Operngeschichte, mit der Gaetano Donizetti den Zuschauer damals wie heute fasziniert. Die Konturen der Figuren sind musikalisch gleich zu Beginn so scharf umrissen, dass der Verlauf der Geschichte eigentlich nur noch einer schrittweisen Erfüllung ihres Schicksales gleicht: Für Lucia di Lammermoor gibt es kein Entrinnen. Sie liebt Edgardo von Ravenswood, soll aber auf Wunsch ihres Bruders Enrico Ashton aus politischen Gründen den einflussreichen Arturo Bucklaw heiraten. Ihre standhafte Weigerung kann der Bruder nur durch üble Machenschaften brechen …
Mitte der 1830er-Jahre war es Donizetti, wie er selbst sagte, »vor allem um Liebe, zerstörerisch-heftige Liebe« zu tun. Scotts Roman THE BRIDE OF LAMMERMOOR bot hierfür die ideale Vorlage, und da der Textdichter sowohl die historisch-politischen Hintergründe als auch die düsteren Zutaten des Romans weitgehend reduziert hat, konnte sich Donizetti ganz auf die Leidenschaften und Intrigen der Protagonisten konzentrieren. Es sind also weniger die schauerromantischen Ingredienzen des Stoffes von Walter Scott, auf die der Komponist baut, es ist vielmehr ihr innerer Wiederklang in den tragenden Figuren der Handlung.