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the rite of spring © Staatstheater Kassel the rite of spring $copy; Staatstheater Kassel

the rite of spring

Tanztheater: Drei Stücke von Johannes Wieland
Mit Musik von Johann Sebastian Bach (Chaconne d-Moll), György Ligeti (Ramifications) und Igor Strawinsky (Le sacre du printemps)
Mit dem Staatsorchester Kassel
Premiere: 29.04.2017, 19.30 Uhr | Opernhaus
Musikalische Leitung: Alexander Hannemann
Choreografie und Inszenierung: Johannes Wieland
Bühne: Momme Röhrbein
Kostüme: Angelika Rieck
Licht: Dirk Thorbrügge
Dramaturgie: Dr. Thorsten Teubl
Proben- und Trainigsleitung: Lauren Rae Mace

Wo beginnt eigentlich Ausgrenzung? Johannes Wieland forscht an den Schnittpunkten von Integration und Exklusion. Sind Werte und Verhaltensweisen von Individuen innerhalb einer Gesellschaft verhandelbar und beeinflussbar? Verlangen die Produktion und Gestaltung von Identität das Abgrenzen gegenüber dem Anderen, dem Fremden? Im Zentrum der Trilogie steht der Mensch, in seinen unentrinnbaren kulturellen und existenziellen Verflechtungen, am Abgrund von Apartheid und Entgrenzung. Wieland zeigt Menschen, die sich verirren und gleichzeitig um Halt ringen – die somit zum Sinnbild für Menschlichkeit und menschliches Verhalten werden. In ihnen begegnen wir uns selbst.

Nach der Chaconne für Solo-Violine aus Johann Sebastian Bachs Partita Nr. 2 d-Moll BWV 1004 folgt György Ligetis »Ramifications«. Anschließend wird im dritten Teil »Le sacre du printemps« von Igor Strawinsky zu hören sein. Es spielt das Staatsorchester Kassel unter der Leitung des Koordinierten Ersten Kapellmeisters Alexander Hannemann.

I

wir ordnen dinge so ein, dass sie uns schluessig erscheinen. wir ordnen dinge so ein, dass sie anderen schluessig erscheinen. wir lernen zu luegen.

wir vergessen.

wir besitzen autoritaet.

wir irrlichtern durch diese welt.

wir steuern unser gehirn. manchmal. und unser gehirn steuert uns. meistens.

wir geben uns selbst befehle, die unser weit verzweigtes nervengeflecht ueber synapsen wieder an einen teil von uns weiterleitet.

wir hoffen auf einen gleichmaessigen puls.

wir lernen mathematische gleichungen zu loesen und sie in lineare und nichtlineare gleichungssysteme einzuordnen. wir verlernen dinge nicht einordnen zu muessen.

wir verlieren uns. wir finden uns wieder. wir verstecken uns.

wir lassen atome aufeinander zusteuern. wir lassen atome beschleunigen. wir lassen atome kollidieren. wir spalten sie.

ein problem? wir loesen es. ein problem? wir zerbrechen an ihm.

wir wollen nicht kaempfen. wir kaempfen.

wir muessen miteinander auskommen.

wir koennen uns freuen.

wir wuenschen uns kontrolle. wir erringen kontrolle. wir verteidigen sie. wir halten sie fest. wir verlieren sie.

wir warten ab.


II

manchmal lassen wir jemanden herein - in unsere (wirre) gedankenwelt. das chaos bleibt. und manchmal verstehen wir, was wirklich wichtig ist.

aber wir sprechen es nicht aus.

wir versuchen uns zu bessern. wir bessern uns.

wir erkennen schoenheit. wir versuchen sie zu besitzen.

wir wissen, dass schoenheit nicht kaeuflich ist. wir kaufen schoenheit. 

wir (empfinden), dass der melaninanteil in unserer haut keine politische bedeutung hat.

wir merken, dass der melaninanteil in unserer haut eine politische bedeutung haben koennte.

wir finden heraus, dass der melaninanteil in unserer haut eine politische bedeutung hat.

wir verstehen, dass das kleine sehr gross sein kann und umgekehrt. unabhaengig davon verstehen wir nur sehr wenig. 

wir reflektieren. wir bewegen. wir entscheiden. wir verwerfen. wir reflektieren.

wir beobachten uns.


III

irgendwann endet die beschleunigung der atome.

die politische bedeutung unseres melaninanteils in der haut endet.

mathematische gleichungen enden.

dann faengt etwas neues an:

das fokussieren faengt an. das fokussieren auf dich und deinen koerper faengt an.

das fokussieren auf deine muskelfasern, in der achterbahn, in der du sitzt, die mit 240 km/h faehrt, die kurz vor dem zerreissen stehen, während du verstehst, dass du eigentlich sehr verletzlich bist, dir aber immer viel muehe gibst es zu verbergen, faengt an.

das gruen, dass du wahrnimmst, waehrend du mit der achterbahn entlang bretterst, faengt an. kurz auf das meer sehen faengt an. die beschleunigung deines atems faengt an. das herumschwirren von abertausenden pollen, die sich in deinen haaren verfangen, faengt an. das festhalten hoert auf und das loslassen faengt an. schwerelosigkeit faengt an. das herumschwirren von abertausenden metallsplittern, waehrend die achterbahn entgleisst und du die sperrvorrichtung mit deinem koerper durchbrichst und nicht mehr dazu kommst deinen gedanken zuendezudenken, faengt an.

deine unsicherheit bevor du allen verkuenden wirst, dass du es nochmal versuchen willst, endet. deine sicherheit waehrend du allen verkuendest, dass du es nochmal versuchen willst, faengt an.                                            (Johannes Wieland)

Vorstellungen
20.04.17, 19.00
29.04.17, 19.30 Tickets
03.05.17, 19.30 Tickets
05.05.17, 19.30 Tickets
10.05.17, 19.30 Tickets
14.05.17, 19.30 Tickets
20.05.17, 19.30 Tickets
06.06.17, 19.30 Tickets
09.06.17, 19.30 Tickets
16.06.17, 19.30 Tickets
24.06.17, 19.30 Tickets
Staatstheater Kassel, Friedrichsplatz 15, KasselHessen0561/1094222
Opernhaus
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