Hee Saup Yoon

Bass
Zur Person
Hee Saup Yoon wurde in Südkorea geboren und studierte Gesang der dortigen Hanyang Universität. 2005 wechselte er nach Deutschland und setzte seine Studien an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin fort. Der Bassist wurde bereits mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet, so errang er zum Beispiel den ersten Platz beim Nationalen Wettbewerb für Gesang in Korea. Erste Bühnenerfahrungen sammelte er zunächst als Solist bei zahlreichen Konzertauftritten. Von 2006 bis 2008 war er Mitglied des Opernstudios der Hamburgischen Staatsoper und wechselte von 2008 bis 2012 als festes Ensemblemitglied an dieses Haus, wo er Partien wie Fiorillo (Il barbiere di Siviglia), Lamoral (Arabella) und Masetto (Don Giovanni) übernahm. Als Gast wirkte er im Frühjahr 2012 unter Ingo Metzmacher an der Staatsoper Unter den Linden in Luigi Nonos Al gran sole carico d’amore mit.
Seit der Spielzeit 2012–13 ist Hee Saup Yoon Mitglied des Opernensembles am Staatstheater Kassel und sang hier unter anderem so wichtige Partien wie Rocco (Fidelio), Sarastro (Die Zauberflöte), Landgraf Heinrich (Tannhäuser), Colline (La Bohème), Sparafucile (Rigoletto), Timur (Turandot) und Gremin (Eugen Onegin). 2016–17 übernahm der beliebte Bass die Titelpartie in Mozarts Le nozze di Figaro und war als Conte Walter in Verdis Luisa Miller zu sehen. Außerdem verkörperte er sehr erfolgreich König Treff und die Köchin in Die Liebe zu den drei Orangen, Oroveso in Norma, Basilio in Il barbiere di Siviglia und Pater Lorenzo in Roméo et Juliette. Zuletzt war er unter anderem als Sansculotte Mathieu (Andrea Chénier), Dr. Cajus (Die lustigen Weiber von Windsor) und abermals als Colline zu erleben. Für seine herausragenden künstlerischen Leistungen wurde er 2017 mit dem Irma-Jansa-Gesangspreis geehrt.
In der Spielzeit 2018–19 ist der Bassist erneut als Timur in der Wiederaufnahme von Turandot sowie als Don Basilio in der Wiederaufnahme von Il barbiere di Siviglia zu sehen. Außerdem steht er als Pistola in Falstaff auf der Opernbühne.

Auf dem Weg zu Wagner 

Namen sind nur Schall und Rauch? Weit gefehlt. Zumindest in Korea ist das anders. Nicht nur hat bei der Namensfindung für einen Säugling der Großvater den Hut auf (der Erzeuger ist erst dran, wenn er selber Großvater geworden ist), es geht auch darum, den neuen Erdenbürger mit einem besonderen »Markenzeichen« zu versehen. Hee Saup Yoon, der Bass vom Dienst am Staatstheater Kassel, ist diesbezüglich eine besondere Ehre zuteil geworden. Sein Vorname bedeutet, dass er, überall, wo er auftaucht, für Freude sorgt. Und also tut er es. Auf der Bühne, hinter den Kulissen, in der Kunst wie im Leben. Höflichkeit und Respekt, das sind Begriffe, die im Leben dieses (auch körperlich) herausragenden Sängers eine große Rolle spielen – und überdies, wie er sagt, ein Grund dafür sind, dass er sich in Deutschland sehr wohl fühlt, trotz des Heimwehs, das ihn immer wieder überkommt, weil die Familie (Vater, Mutter, Geschwister) 14 Flugstunden entfernt lebt und er nur einmal im Jahr dorthin fliegen kann. Mag es in ihm auch brodeln wie in einem Kochtopf, nach außen hin verkörpert Hee Saup Yoon immer Ruhe und Gelassenheit; fast möchte man in ihm einen Anhänger der Senecaischen Stoa vermuten. Geboren wurde er in der südkoreanischen Kapitale, einem Moloch mit heute mehr als 15 Millionen Einwohnern. Klassische Musik spielte in seinem Elternhaus keine Rolle. Dafür die (evangelische) Religion. Und so kam es, dass Hee Saup schon in jungen Jahren in den Kirchenchor eintrat; wie man sich erzählt, mit einer nachgerade engelsgleichen Stimme, die aber, wie das Leben so spielt, mit 14 Jahren durch den Stimmbruch ihres Charakters beraubt wurde. Gleichwohl sang er noch im Chor, als er 20 Jahre alt und eben kein Junge mehr war. Sondern Abiturient. Der Weg danach schien vorgezeichnet. Das mathematische Talent war evident, Hee Saup träumte von der IT-Branche und schrieb sich für das Fach Informatik ein. Nach einem Jahr an der Universität kam ihm jedoch der leise Verdacht, ein Leben am Computer sei womöglich doch nicht der Weisheit letzter Schluss. Und weil ihm nacheinander und in kurzen Abständen gleich drei Freunde rieten, es doch einmal mit dem Singen zu probieren, schaltete er den Computer aus, nahm ein Urlaubssemester und versenkte sich in einen Packen von Klavierauszügen. Die Faszination, die daraus resultierte, ließ ihn nicht mehr los. Sechs Jahre lang studierte Hee Saup an der Hangyan Universität seiner Heimatstadt, dann zog es ihn, ausgestattet mit dem nötigen vokalen Rüstzeug, nach Europa, genauer gesagt: in die bundesdeutsche Hauptstadt. Noch heute erinnert sich Hee Saup an jenen 16. September 2004, als er abends in Berlin-Tegel landete, von einem Freund abgeholt wurde und mit diesem per Bus in die Innenstadt fuhr. Es war, sagt er, der härteste Tag seines Lebens. Er sprach kein Wort Deutsch, es war kalt, es war dunkel; am liebsten wäre er ins nächste Flugzeug gestiegen und zurück nach Seoul geflogen. 
Allein, er blieb (zum Glück für alle Liebhaber eines fundiert-schönen Bassgesangs). Und er hatte einen wunderbaren Mentor. Heinz Reeh war sein Professor an der Hochschule »Hanns Eisler« (also an jenem Institut, an dem er weiland selbst seine Ausbildung genossen hatte, bevor er als Ensemblemitglied an die Berliner Staatsoper engagiert wurde ); ihm, sagt Hee Saup, verdankt er viel. Vor allem verdankt er ihm das Vertrauen, das nötig ist, wenn man in ein fremdes Land kommt und gar nicht so recht weiß, wie einem geschieht. Reeh, der die enorme Begabung augenblicklich erkannte, nahm ihn unter seine Fittiche und forderte und förderte den jungen Sänger. Irgendwann muss in dieser Zeit das Wort Italien gefallen sein. Denn wie einst Goethe und Seume, wie Mendelssohn und Humperdinck, zog es Hee Saup in den Süden. Ein halbes Jahr reiste er durch das Land, wo die Zitronen blühen, und erhielt weitere Inspirationen. Er sagt, dieser Aufenthalt in der Heimat des klassischen Gesangs habe ihn besonders geprägt, insbesondere seine ästhetische Anschauung. Hören kann man diese Verfeinerung der musikalischen Empfindung in eigentlich jeder Rolle, die Hee Saup Yoon am Staatstheater Kassel singt: sei es der Sarastro in Die Zauberflöte, Fürst Gremin in Eugen Onegin, Oroveso in Bellinis Norma, Thoas (Iphigénie en Tauride von Gluck) oder Sparafucile in Verdis Rigoletto. Stets klingt sein Bass sonor und rund, reif und vor allem: gesund. Und man hört die Vorbilder. Matti Salminen, Kurt Moll und Harald Stamm. Das sind Hee Saups Säulenheilige. Was ihn aber nicht davon abhält, weiterhin Gesangsunterricht bei zwei renommierten koreanischen Opernsängern zu nehmen. Denn eines ist klar: Er hat Wünsche, Ziele, Träume. Verdis dunkle Männer (die dunkler noch sind als Sparafucile) und Wagners Bass-Heroen sollen es sein. Ja, und tatsächlich vermeint man in der Ferne die beiden Riesen nahen, Fasolt und Fafner, an ihrer Seite, im Schatten, Gurnemanz, der epische Erzähler. In sie alle würde Hee Saup Yoon gewiss sehr gut hineinpassen. Nicht dem Charakter nach, das nicht. Aber der Statur nach und stimmlich, das schon.
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