Dorian Gray, hinter den Spiegeln (UA)

von Thomaspeter Goergen nach Oscar Wilde und Lewis Carrol
URAUFFÜHRUNG 29. Januar 2021

Inhalt
Mirror, mirror universe    |    Viral gaslight    |    White rabbit dracula
Ein junger Mann, ein junges Mädchen. Er begegnet dem makellosen Porträt der eigenen Schönheit. Sie blickt durch den Spiegel in eine andere Welt. Er wird ein Monster. Sie trifft auf welche. Dorian Gray und Alice. Ihre Schöpfer haben tief in Fragen von Wirklichkeit und Fantasie labyrinthische Geheimgänge zwischen beiden gegraben. Beide haben, lange vor den endlosen Labyrinthen des Cyberspace, erste wirkliche Metaphern – einen dunklen Helden und eine kindliche Heldin – des Virtuellen geschaffen. Dorian, der unsterblich wird, indem er sich in ein Bild verwandelt; Alice, die auf der anderen Seite des Spiegels in den Hyperraum des Schwarzen Königs eintritt – wer von beiden träumt nun wen? Und falls sie aufwacht, oder er, wer von beiden wird verschwinden, so wie Dorian verschwindet, als er sein Porträt zerstört? Was passiert, wenn der ästhetische Vampir Dorian in den Spiegel von Alice blickt – wird er Spiegelschnaken sehen und Goggelmogel oder sich selbst – als hässlichen Jabberwock? Der »mirror that mirrors soul«, wie es in Wildes The Critic as Artist heißt, hängt er in Alices Wohnung an jenem Novembernachmittag, da sie »through the looking glass« spaziert? Dorian und Alice, Bruder und Schwester, Teufel und Engel unseres Jahrtausends der Simulation und Künstlichkeit, der Fakes und der Spiegelfechterei …