/
Hessische Theaterakademie

Werkschau

Hessische Theatertage
Mo 13 Mai

18:00 Uhr
http://www.staatstheater-kassel.de/ Staatstheater Kassel Friedrichsplatz 15, 34117 Kassel

Die Hessische Theaterakademie umfasst alle an der Theaterausbildung in Hessen beteiligten Hochschulen und die Hessischen Staatstheater, alle Stadttheater sowie auch Theater aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Erhalten Sie einen Einblick in diese Arbeit und sehen Sie in einer dreiteiligen Werkschau die ­Performances Auto­bio­graphy of Blue und Sechs Skizzen eines Selbstporträts sowie das Musikvideo ­Lovely Lovely.
Autobiography of Blue
Farben existieren nicht als fixiertes Element. Warm und kalt, hell und dunkel, sie kennzeichnen Ferne und Nähe, Liebe, Hoffnung, Unschuld und Tod, sie können eine Tiefe haben, Erinnerungen auslösen, sich mit Gerüchen und Klängen verbinden und dennoch: Ihr Wesen ist das Oberflächenphänomen. Zwischen Absorption und Reflexion sind sie niemals an und für sich und je nach Blickwinkel immer verschieden. Wesentlich ist ihre spezifische Erscheinung in Abhängigkeit vom jeweiligen wahrnehmenden Subjekt. Aber was wäre, wenn die Frage danach, wie wir eine Farbe wahrnehmen, umgekehrt werden könnte in eine Imagination darüber, wie eine Farbe uns wahrnimmt? Was sind die Konsequenzen einer solchen imaginativen Übung, in welcher die Farbe die Position des Subjekts und daraus folgend die Position einer Autor*Innenschaft einnimmt?
In seiner choreografischen Forschungsarbeit Autobiography of Blue begibt sich Fabrício Belzo auf die Suche nach dem Wesen der Oberflächenerscheinung Blau: Worin es sich zeigt, wie es sich verhält, wie es sich anfühlt, wie es manipuliert, welche Bedingungen es zum Existieren braucht, wie es riecht, wo es zum ersten Mal gesehen wurde. Die Solo-Performance Autobiography of Blue ist eine mannigfaltige Spekulation dessen, was Blau ist oder sein könnte, eine Untersuchung der unterschiedlichen Strategien, Methoden und Werkzeuge, die notwendig sind, um Blau, oder das, was als solches bezeichnet, empfunden, deklariert und mißverstanden wird, endlich für sich sprechen zu lassen.

Eine Abschlussarbeit aus dem Masterstudiengang »Choreographie und Performance«, Institut für Angewandte Theaterwissenschaft, Justus-Liebig-Universität Gießen.
Sechs Skizzen eines Selbstporträts
Ich. Ist das der Anfang jedes Sprechens? Die Hauptrolle meiner Biographie? Und wie gelingt ein Sprechen über mich selbst, wenn nicht sagbar ist, worin mein Selbst besteht? Ist mein Selbstporträt immer Fiktion, welche Geschichten konstruieren meine Identität, und was bleibt überhaupt zu sagen?
Konfrontiert mit Fragen nach der eigenen Biografie und deren Darstellbarkeit, erarbeiteten Studierende des Instituts für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe Universität im Rahmen des szenischen Projekts Biografie in Revolte unter Anleitung des Schweizer Theaterregisseurs Boris Nikitin Entwürfe ihrer Selbstporträts. Auf der Suche nach Möglichkeiten der Selbstdarstellung entwickelten sich individuelle Wege, das eigene Ich in seiner Verwundbarkeit auszustellen und die Bühne hierfür als Schutzraum zu begreifen. Niktin, der in seinen Arbeiten immer auch die Biografien der Performer*innen mitverhandelt, zielt mit seiner performativen Theaterarbeit auf die Lücke im Ablauf, »in der die eigene Identität, das ›selbst‹, nicht mehr eine unabdingbare Zwangsläufigkeit ist, sondern eine Möglichkeit«. Im Zentrum steht hierbei die Frage nach den Momenten, in denen jemand sich sein Selbstbild aneignet, sich gegen die herrschenden Werte und Normen wendet, sie als veränderbare Fiktionen benennt und damit an die Öffentlichkeit tritt, um in diese einzuwirken und an der vermeintlich fixierten sozialen Wirklichkeit zu rütteln.
Oszillierend zwischen Verwundbarkeit und Selbstbehauptung, präsentieren sechs Studierende der Studiengänge Dramaturgie und Comparative Dramaturgy and Performance Research ihre Skizzen. Denn wo genau verlaufen die Grenzen eines Selbstporträts und was passiert, wenn jedes »Etwas von sich Preisgeben« uns immer zugleich auch ausstellend in Frage stellt?

Ein Projekt aus dem Masterstudiengang »Dramaturgie«, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Die Arbeit wurde aus Mitteln der HTA, des Instituts für TFM und des Förderfonds Lehre der Goethe-Universität gefördert. Die Studierenden danken Boris Nikitin für die Unterstützung bei der Umsetzung ihrer Skizzen und seine wertvolle Kritik und Björn Auftrag für die dramaturgische Betreuung des letzten Feinschliffs.
Lovely Lovely
Zwischen halbtransparenten Folienbahnen – nicht durchsichtig und noch weniger greifbar – inszeniert Noise Again ein bewegtes Zerfließen in camouflierenden Oberflächen, das sich auf unsere wiederzugewinnende Kontrolle über die von uns im Netz zirkulierenden Bilder bezieht. Das Zerstückeln und Zusammenstückeln von Körpern und Gesichtern rückt dabei als Methode digitaler Technologien zur Speicherung und Wiedererkennung von Daten über Individuen in den Fokus. Permanent produzieren Technologien und Programme digitale »Schatten« von uns, wenn wir uns durch halböffentliche Räume und Netzwerke bewegen.
Doch was, wenn wir uns mit diesen Schatten verbünden? Wenn wir sie nutzen, um bewusst Verschattungen und Verschwommenheiten unseres Selbst zu kreieren und die Sichtbarkeit unseres Ichs aktiv modulieren zu lernen? Noise Again wagt den Testlauf.  

Während der Probenphase der Gemeinschaftsarbeit Noise Again, eines Theaterstücks und Installation, welches Anfang 2018 beim Festival der jungen Talente im Kunstverein Frankfurt gezeigt wurde, entstand der Song Lovely Lovely, der später auch Teil der Performance wurde. Gesondert dazu entwickelten die Studierenden ein Musikvideo. Das auch im Rahmen der Hessischen Theatertage als Werkbeitrag der Hessischen Theaterakademie gezeigt wird.

Ein Film aus dem Studienbereich »Bühnenbild / Szenischer Raum«, Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main.

Diese Produktion wurde unterstützt und gefördert durch: Dr. Marschner Stiftung, Theaterhaus Berlin Mitte, Festival der Jungen Talente Frankfurt, Hessische Theater Akademie.
Hessische Theatertage 2019
Hessens Theaterlandschaft zu Gast in Kassel: Erleben Sie zwischen dem 11. und dem 18. Mai 2019 Schauspiel, Tanz und Performances aus Darmstadt, Frankfurt, Gießen, Marburg, Wiesbaden und natürlich Kassel. Alle Angebote gibt es zu besonders günstigen Preisen!

Eine Woche lang sind institutionelles Theater und die freie Theaterszene an einem Ort vereint und in ihrer Vielfalt im Schauspielhaus, im tif und an weiteren Orten erfahrbar.

Begleitet wird das umfangreiche Programm von Gesprächen, Lesungen, Konzerten und natürlich Partys. Genießen und feiern Sie mit uns! Und stimmen Sie für Ihr Lieblingstheaterstück im Rahmen des Publikumspreises ab.
Besetzung

Autobiography of Blue

Konzept, Choreografie und Performance
Fabrício Belzoff
Dramaturgie
Florence Ruckstuhl, Leander Ripchinsky
Kostüm und Objekte
Johanne Schröder
Licht
Jost von Harleßem
Ton
Antonia Alessia, Virginia Beeskow

Sechs Skizzen eines Selbstporträts

AUS|SAGE|KRÄFTIG
Antigone Akgün
Videoarbeit
Christian Schuller
Memorisement
Elena Backhausen
Heute wird eine Seele verkauft!
Ia Tanskanen
Behauptungen
Lilly Busch
gemeinsam getrennt
Andreas Fleck
Zeitreisemaschine
Deborah Raulin

Lovely Lovely

Regie und Produktion
Stella Schimmele
Rauminstallation
Viviane Niebling, Michaela Kraft
Musik und Sounddesign
Miró Rabier, Mason Rent, Peer Neumann
Skulptur
Yuske Taninaka
Künstlerische Assistenz, Regie und Kostüm
Lena Appel
Kostüme
Ksti Hu
Choreografie
Verena Kutschera
Performance
Sophia Bobic
Performance
Anne Gleich
Performance
Maj-Britt Klenke
Performance
Pierre Störig
Performance
Yuske Taninaka