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fin de siècle (UA)

Tanztheater: MEDUSA IN CATHEDRAL von Lenka Vagnerová und CATHEDRAL OF ATOMS von Johannes Wieland
URAUFFÜHRUNG 2. November 2019
Dauer 2 Stunden 10 Minuten, eine Pause
Mi 18 Dez

ist unser modernes imperium dem niedergang geweiht? sind wir also alle von einer fata morgana in geiselhaft genommen, die uns aktiv zu einer ästhetischen ideologie des überflusses und der künstlichkeit treibt? sollte sich eine gegenbewegung formieren? 
Tanztheater: Zwei Stücke von Lenka Vagnerová | Johannes Wieland
19:30 — 21:45 Uhr
http://www.staatstheater-kassel.de/ Staatstheater Kassel Friedrichsplatz 15, 34117 Kassel
Sa 04 Jan

ist unser modernes imperium dem niedergang geweiht? sind wir also alle von einer fata morgana in geiselhaft genommen, die uns aktiv zu einer ästhetischen ideologie des überflusses und der künstlichkeit treibt? sollte sich eine gegenbewegung formieren? 
Tanztheater: Zwei Stücke von Lenka Vagnerová | Johannes Wieland
19:30 — 21:45 Uhr
http://www.staatstheater-kassel.de/ Staatstheater Kassel Friedrichsplatz 15, 34117 Kassel
Sa 11 Jan

ist unser modernes imperium dem niedergang geweiht? sind wir also alle von einer fata morgana in geiselhaft genommen, die uns aktiv zu einer ästhetischen ideologie des überflusses und der künstlichkeit treibt? sollte sich eine gegenbewegung formieren? 
Tanztheater: Zwei Stücke von Lenka Vagnerová | Johannes Wieland
19:30 — 21:45 Uhr
http://www.staatstheater-kassel.de/ Staatstheater Kassel Friedrichsplatz 15, 34117 Kassel
Sa 25 Jan

ist unser modernes imperium dem niedergang geweiht? sind wir also alle von einer fata morgana in geiselhaft genommen, die uns aktiv zu einer ästhetischen ideologie des überflusses und der künstlichkeit treibt? sollte sich eine gegenbewegung formieren? 
Tanztheater: Zwei Stücke von Lenka Vagnerová | Johannes Wieland
19:30 — 21:45 Uhr
http://www.staatstheater-kassel.de/ Staatstheater Kassel Friedrichsplatz 15, 34117 Kassel
Fr 07 Feb

ist unser modernes imperium dem niedergang geweiht? sind wir also alle von einer fata morgana in geiselhaft genommen, die uns aktiv zu einer ästhetischen ideologie des überflusses und der künstlichkeit treibt? sollte sich eine gegenbewegung formieren? 
Tanztheater: Zwei Stücke von Lenka Vagnerová | Johannes Wieland
19:30 — 21:45 Uhr
http://www.staatstheater-kassel.de/ Staatstheater Kassel Friedrichsplatz 15, 34117 Kassel
Di 25 Feb

ist unser modernes imperium dem niedergang geweiht? sind wir also alle von einer fata morgana in geiselhaft genommen, die uns aktiv zu einer ästhetischen ideologie des überflusses und der künstlichkeit treibt? sollte sich eine gegenbewegung formieren? 
Tanztheater: Zwei Stücke von Lenka Vagnerová | Johannes Wieland
19:30 — 21:45 Uhr
http://www.staatstheater-kassel.de/ Staatstheater Kassel Friedrichsplatz 15, 34117 Kassel

Trailer
Inhalt
Am Anfang war, wie so oft das Wort, und das Wort war Fin de Siècle. Ein Begriff, aufgeladen mit morbiden Gedanken, der Schatten unter dem Goldglanz der Belle Époque. Wo das siegreiche, industrielle, kapitalistische, koloniale Bürgertum sich mit Eifeltürmen und Weltausstellungen feierte, witterten sensible Zeitgenossen den Verfall.
Die Verlogenheit unter der moralischen correctness. Dekadenz als Willen zur Verschwendung, zum Femininen, zum nervösen Ich. Fin de Siècle wurde zum gewisperten Schlachtruf der Poeten, der Anti-Bürgerlichen, der mit dem Tod, der Sünde Kokettierenden. Fin de Siècle – die laszive Liturgie am Ende eines Jahrhunderts, nach dessen Fall die Zukunft bedrohlich schien.
Dekadenz, der Vorwurf der Machos, der starken Männer, der Despoten, der dekadente Westen, bei dem nichts mehr durch Opfer gewonnen werden soll: sondern allen gleiche Rechte zukommen – wie schwächlich, wie wenig tragisch, wie demokratisch: wie dekadent.
Aber wer so schnell mit dem Vorwurf der Dekadenz zur Hand ist – wie weit ist derjenige auf dem Weg zur Degeneration? Wo verkommt das, was sich als stark, potent, autokratisch feiert, zum geilen Raub, zur Orgie: wo verkommt der spielerische Zweifel des Dekadenten an sich, am Sinn der Welt zur bloßen Leere: die man mit Sensationen, mit öligem Gold, mit bezahlter Liebe, mit Drogen überspielt?
Zwei Abende, zwei Choreographien – inspiriert vom Fin die Siècle und den Spielarten der Dekadenz und der Degeneration, dem Ende eines Zeitalters und das Ende der Zukunft selbst.
MEDUSA IN CATHEDRAL beginnt den Tanz in einer opiumgeschwängerten Apsis einer gottlosen Kirche, wo Vampire die Messe lesen, der versteinernde Blick Statuen zum Leben erweckt, Salome der Kopf des Täufers jagt und die ganze Liturgie ein großer Zirkus des Todes wird: eine Apotheose der Verschwendung, des Opfern und Geopfertwerdens, als Sinnbild einer Zeit, die alles hat und davon in den Rausch gerät noch mehr zu vergeuden, die Welt, die Gesellschaft, sich selbst.
Ehe es dann in CATHEDRAL OF ATOMS in die Zukunft geht, ans Tor am Ende der Galaxis, wo nicht mehr fin de siècle, sondern fin du globe lauert – wie nahe ist man am Zerfall aller Atome, dem ultimativen Tod der Materie, dem Moment, jenseits dessen kein Gedanke mehr an den Menschen existiert? Fliegen noch die Rotkehlchen in der Nacht, wie Laura Dern in Blue Velvet träumt? Ist Liebe ein Rotkehlchen oder auch bloß zufällige Verkettung von Partikeln? Und welche Verantwortung haben wir für unsere Zwillingspartikel, wenn Liebe nichts anderes als ein Photon wäre?
(English)
The unhealthy show-off of strength. The hypocrisy under moral correctness. Decadence, yes, decadence as the will to waste, to the feminine, to the emotional, to the nervous ego. Fin de Siècle became the whispered battle cry of the poets, the doubters, the anti-bourgeois, the flirtatious of death, sin and masochism. Fin de Siècle - the lascivious liturgy at the end of a century after the fall of which the future seemed threatening.
In the beginning there was, as so often the word, and the word was Fin de Siècle. A term charged with morbid, forbidden thoughts, the shadow under the golden shine of the Belle Époque. Where the victorious, industrial, capitalist, colonial bourgeoisie celebrated itself with Eiffel towers and world exhibitions, sensitive contemporaries sensed the decay.
Decadence, the ultimate reproach of the machos, the strong men, the despots, the decadent West, in which nothing more is to be won by sacrifice: but equal rights are granted to all - how weak, what a lack of tragedy, how democratic: how decadent.
But who is so quick to hand with the accusation of decadence - how far is he on the way to degeneration? Where does that which celebrates itself as strong, potent, autocratic, oligarchic degenerate into a horny robbery, a senseless orgy: where does the playful, annoying doubt of the decadent about himself, about the meaning of the world sinks into a roaring emptiness, which one plays over with sensations, with oily gold, with paid love, with numbness and haze?
Two evenings, two choreographies - inspired by the Fin de Siècle and the variations of decadence and degeneration, the end of an age and the end of the future itself.
MEDUSA IN CATHEDRAL begins the dance in an opium-impregnated apse of a godless church, where vampires read mass, the petrifying gaze brings statues to life, Salome chases the head of the Baptist and the whole liturgy becomes a great circus of death: an apotheosis of waste, sacrifice and being sacrificed, as a symbol of a time that has everything and gets intoxicated by wasting even more of itself, the world, society...
Before we go into the future in CATHEDRAL OF ATOMS, to the gate at the end of the galaxy, where no longer fin de siècle, but fin du globe lurks - how close is one to the decay of all atoms, the ultimate death of matter, the moment beyond which no thought of man exists anymore? Do the robins still fly at night, as Laura Dern dreams in Blue Velvet? Is love a robin or just a random chain of particles? And what responsibility do we have for our twin particles if love was nothing but a photon?
Pressestimmen
KulturMagazin, Bettina Damaris Lange
Lenka Vagnerová und Johannes Wieland bieten an diesem Abend ein ästhetisch abgerundetes Tanztheater, das sich optisch auf einem sehr hohen Niveau bewegt.
Dezember 2019
HNA, Georg Pepl
Ein großartiges Tanzensemble in zwei sich perfekt ergänzenden Stücken
4. November 2019