Inhalt
Wir werden uns von der Inszenierung von Tod eines Handlungsreisenden von Arthur Miller anregen lassen, uns über die Frage Gedanken zu machen, ob denn - gemäß dem amerikanischen Traum - jeder sein Glück machen kann.
Wir wollen nicht die Psychologie von Millers Figur Willy Loman und seiner Familie befragen, sondern die gesellschaftlichen Strukturen betrachten, mit denen Menschen wie Loman in ihrem Leben zu Recht kommen müssen. Am Ende geht es darum zu fragen, wie eine Gesellschaft beschaffen sein muss, damit ein gutes Leben nicht nur ein Fantasiegebilde bleibt.


Wir wollen über die ökonomischen Brüche und ihre sozialen und individuellen Folgen sprechen mit:
Dr. Michael Lacher, Diana Ivanova und Professor Dr. Berthold Vogel.

Michael Lacher lebt in Kassel, hat in Kassel Wirtschaft studiert, war wissenschaftlicher Mitarbeiter an der hiesigen Universität und am Forschungsinstitut für Arbeiterbildung an der Uni Bochum, schließlich mehrere Jahre im Mittelmanagement von VW in Kassel und Wolfsburg beschäftigt. Lacher hat kürzlich ein umfangreiches Buch zur Industrie- und Sozialgeschichte Kassels in der Zeit von 1914 bis heute veröffentlicht (Arbeit und Industrie in Kassel, Schüren-Verlag, 2018). In diesem Werk werden die zahlreichen Brüche und schleichenden Veränderungen im wirtschaftlichen und sozialen Leben unserer Stadt penibel dargestellt. Aber die Statistiken sind Abstraktionen vom wirklichen Leben, nach dem wir fragen wollen.

Diana Ivanova ist eine bulgarische Journalistin, Autorin, Dokumentarfilmerin und Kulturmanagerin. Ihr Interesse gilt dem interkulturellen Dialog zwischen den Menschen Bulgariens und anderer Länder, vor allem Deutschland. Sie lebt in Sofia und Bonn. Als Bulgarin kommt sie aus dem – statistisch gesehen – ärmsten Land der Europäischen Union. Ein Land, das sich nach 500 Jahren Zugehörigkeit zum Osmanischen Reich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts überhaupt erst zum Nationalstaat entwickelt und sich befreit hat. Und sie kommt aus einem Land, das erst nach dem 2. Weltkrieg in der Zeit des Kommunismus forciert industrialisiert und schon nach der Wende wieder de-industrialisiert wurde.


Professor Berthold Vogel ist geschäftsführender Direktor des Soziologischen Forschungsinstituts, des SOFI, in Göttingen. Er hat sich an der Universität Kassel habilitiert, unterrichtet in Kassel sowie in Sankt Gallen. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Soziologie staatlicher Ordnung, die Analyse öffentlicher Güter, die Diagnostik der vielfältigen Welt der Erwerbsarbeit, ihrer Akteure und Konflikte. Herr Vogel berät beide christlichen Kirchen und die Gewerkschaften.
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