Miroslav Nemec und l'orchestre du soleil

ALEXIS SORBAS

Eine Schelmengeschichte mit Musik
17. März 2019

Inhalt
»Hast Du jemals etwas so schön zusammenkrachen sehen?« Es gibt viele »berühmteste Sätze« in der Literatur- und Filmgeschichte. Dieser Satz aus dem Roman von Nikos Kazantzakis gehört definitiv dazu – Roman und Verfilmung sind Klassiker. In dem auf autobiographische Erlebnisse des Autors beruhenden Werk trifft der von Selbstzweifeln geplagte, intellektuelle Ich-Erzähler auf den vor Lebensfreude sprudelnden Freigeist Alexis Sorbas. Fest entschlossen, seinen Beruf des Schriftstellers aufzugeben und das Leben der einfachen Leute zu teilen, bietet der Autor dem Abenteurer die Stelle des Vorarbeiters in dem Bergwerk an, das er an der Küste Kretas geerbt hat. Während der Intellektuelle auf Bildung und analytischen Verstand setzt, verkörpert Sorbas den Instinktmenschen, der nur seiner Intuition folgt. Für Sorbas entsteht die Welt jeden Tag neu, Freiheit bedeutet für ihn, das Leben mit allen Freuden und Katastrophen anzunehmen. »Jeder Mensch«, sagt er, »hat seine Marotten. Die größte aber ist es, keine zu haben!« Zwischen den beiden ungleichen Männern entwickelt sich eine außergewöhnliche Freundschaft – und im Umgang mit dem intuitiven Original findet der Ich-Erzähler die Antworten auf seine ungelösten philosophischen Fragen. An die Philosophie Nietzsches erinnert die Figur des Alexis Sorbas; dionysisch kraftvoll, Religion und bürgerliche Moral haben für ihn keine Bedeutung. Die Geschichte der beiden Protagonisten ist eingebunden in eine Rahmenhandlung, die detailliert und spannend von der archaischen Welt Kretas erzählt, von gesellschaftlichen Strukturen, wie wir sie heute nicht mit Europa, sondern mit den Landstrichen jenseits des Mittelmeers assoziieren. Eng verwoben ist das Leben dieser Menschen in Konventionen und Traditionen, geprägt von Kargheit und Lebensfreude und von einer befremdlichen Radikalität im Beharren auf jahrhundertealte Strukturen, die bis hin zum Fememord reichen.

Der Regisseur und Produzent Martin Mühleis  hat mit Bühnenbearbeitungen von literarischen Werken in den vergangenen Jahren große Erfolge gefeiert. Seine beiden Erich-Kästner-Bearbeitungen -»Als ich kleiner Junge war«  und »Prost Onkel Erich!« – zählen mit mittlerweile fast 500 Vorstellungen zu den erfolgreichsten literarischen Bühnenproduktionen in Deutschland. Zuletzt hat er für die beiden Schauspieler Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl gemeinsam mit dem Komponisten Libor Síma  aus Charles Dickens' »Die Weihnachtsgeschichte« ein musikalisches Sozialmärchen geschaffen.
In seinen Bühnenarbeiten hat Mühleis eine eigene Form entwickelt, eine »Architektur aus Sprache, Musik,Lichtdesign und Schauspiel« wie der Berliner Tagesspiegel es nannte. Es gelingt ihm, Literatur für die Bühne zu adaptieren, ohne sie in Struktur,Rhythmus und Sprache zu verändern. Aus den literarischen Vorlagen entstehen auf diese Weise eigene Bühnenwerke,  die den Zuschauer zum Mitgestalter machen. Mühleis' reduzierte, karge Erzählformen bewirken, dass ein wesentlicher Teil der Geschichte in der Phantasie des Betrachters entsteht. Gemeinsam mit Christoph Dangelmaier (Komposition) hat er bereits in der Bühnen-Ballade »Seide« und in seiner Bearbeitung von Albert  Camus' autobiographischem Roman »Der erste Mensch« – jeweils mit Joachim Królin der Rolle des Erzählers – erfolgreich zusammengearbeitet.
Auf der Grundlage des Romans von Nikos Kazantzakis haben die Beiden jetzt ein modernes Melodrama geschaffen und Miroslav Nemec, dem TATORT-Kommissar und zweifachen Grimme-Preisträger, damit eine Paraderolle auf den Leib geschrieben. Lustvoll und mit großer Leidenschaft erweckt er Kazantzakis‘ Schelmenromanhelden zum Leben.
Dieser »Bühnen-Sorbas« ist keine Lesung, sondern ein durchkomponiertes Bühnenstück für einen Schauspieler und Musikensemble. Ein Meisterwerk über Freundschaft und Liebe und die wahren Werte des Lebens.