Der Staat und Ich - Eine Beziehungsgeschichte

Hochzeitsperformance und interaktive Ausstellung in Kooperation mit Raamwerk im Rahmen der Kasseler Museumsnacht

»Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.« (Artikel 6, GG)

Der schönste Tag unseres Lebens! Wir heiraten natürlich nur aus aus Liebe! Oder doch eher, um in den Genuss der Steuervorteile zu kommen? Um Kinder adoptieren zu können? Um ein*e gute*r Bürger*in zu sein? Das Hochzeitskarussell gibt unserer Gesellschaft eine deutliche Struktur vor und legt gewisse Handlungsweisen nahe, geschmückt mit Schmankerln wie finanzieller Erleichterung scheinbarer Sicherheit. Das Individuum geht also immer auch eine Beziehung mit dem Staat ein, Rechte und Pflichten inklusive. 

Mit »Der Staat und ich – Eine Beziehungsgeschichte« geht das Staatstheater in Kooperation mit RAAMWERK einem der spannendsten Phänomenen unserer Gesellschaft auf dem Grund und beleuchtet weitere Situationen, in denen ein Individuum eine Beziehung mit dem Staat eingeht.

Diese Auseinandersetzung findet auf zwei Ebenen statt: wir befreien die Ehe und das Heiraten vom politisch angestaubten Korsett der Rechte und Pflichten. Willkommen im Las Vegas Kassels: bei unserer »Hochzeitsperformance« kann jede*r jede*n heiraten und gerne auch alle alle, sich selbst und/oder doppelt und dreifach. Das Staatstheater Kassel und Raamwerk laden ein, sich für eine Nacht zu trauen, das Mysterium selber zu erleben, auszuloten, ob es wirklich hält, was es verspricht und ob der Liedzeile “love and marriage, go together like a horse and a carriage” nicht noch eine Zeile über Steuervorteile und struktureller Benachteiligung hinzugefügt werden müsste. Let’s all get married!; ob als Akt der Liebe, als Protest oder einfach nur aus Spaß. Der Zeremonienmeister ist bestellt, die Hochzeitskleider und Anzüge für m/w/d stehen bereit und die Torte wird dick mit Fondant verziert. Und als Beweis, dass diese nächtliche Trauung wirklich stattgefunden hat, erhalten alle Beteiligten ein Zertifikat. Eins steht fest: Die Ehe löst sich im Morgengrauen wieder auf, ganz wie in Shakespeares »Sommernachtstraum«.

Und der »Sommernachtstraum« taucht, neben anderen zahlreichen Stücken, die im  Spielplan des Staatstheaters Kassel gezeigt werden (oder bis vor kurzem gezeigt wurden), im Rahmen der begleitenden, interaktiven Ausstellung auf. Denn die zweite Ebene, auf der wir uns mit dem Thema “Der Staat und ich – Eine Beziehungsgeschichte” auseinandersetzen, ist eine Ausstellung mit Informationen zu dem Thema, gepaart mit Stücken, in welchen diese Themen auftauchen. Besonders auf »Der NSU-Prozess. Die Protokolle« (Premiere am 12. September 2019 und im Rahmen der Museumsnacht mit Auszügen aus dem Stück auch zu Gast im Stadtmuseum; 20:30 und 21:30 Uhr) wird die Ausstellung eingehen. Zudem laden wir die Besucher*innen ein, Momente, in welchen sie die Beziehung Staat¬ Individuum erleben, festzuhalten und somit die Ausstellung zu erweitern.

Besetzung