/
Hessische Theaterakademie

Werkschau


Die Hessische Theaterakademie umfasst alle an der Theaterausbildung in Hessen beteiligten Hochschulen und die Hessischen Staatstheater, alle Stadttheater sowie auch Theater aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Erhalten Sie einen Einblick in diese Arbeit und sehen Sie in einer dreiteiligen Werkschau die ­Performances I Will Not Stay Here Long und Sechs Skizzen eines Selbstporträts sowie das Musikvideo ­Lovely Lovely.
Die zunächst angekündigte Performance Autobiography of Blue von Fabrício Belzoff kann aufgrund einer Verletzung im Ensemble leider nicht gezeigt werden.
I Will Not Stay Here Long
Stumm steht sie da und blickt uns an: eine Frau in grünem Samt. Ida Daniel begibt sich auf die Suche nach den Spuren und vielfältigen Seinsweisen, die im Körper eingeschrieben sind. Ein Körper, unheimlich und vertraut zugleich, existiert in einem vielversprechenden Verhältnis zu denjenigen, die ihn bewohnen. Aber welcher Körper gefällt ihnen? Vielleicht einer, der tanzt und singt? Einer, der sich unsichtbar macht? Ein hüpfender Körper, ein schlafender Körper, ein Superkörper? Sind es sogar zwei oder mehr? Ein Moment geht zu Ende, wenn ein neues, noch nicht gelebtes Leben beginnt. Ida Daniel imaginiert in »I Will Not Stay Here Long« immer wieder Körper aus Text, Ton, Licht und Bildern, Körper, die sich darbieten in Stillstand und Bewegung, Körper, die niemals festzuschreiben sind.
Konzept und Performance: Ida Daniel
In Zusammenarbeit mit: Katarzyna Kania, Todor Stoyanov und Zrinka Uzbinec
Sechs Skizzen eines Selbstporträts
Ich. Ist das der Anfang jedes Sprechens? Die Hauptrolle meiner Biographie? Und wie gelingt ein Sprechen über mich selbst, wenn nicht sagbar ist, worin mein Selbst besteht? Ist mein Selbstporträt immer Fiktion, welche Geschichten konstruieren meine Identität, und was bleibt überhaupt zu sagen?
Konfrontiert mit Fragen nach der eigenen Biografie und deren Darstellbarkeit, erarbeiteten Studierende des Instituts für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe Universität im Rahmen des szenischen Projekts Biografie in Revolte unter Anleitung des Schweizer Theaterregisseurs Boris Nikitin Entwürfe ihrer Selbstporträts. Auf der Suche nach Möglichkeiten der Selbstdarstellung entwickelten sich individuelle Wege, das eigene Ich in seiner Verwundbarkeit auszustellen und die Bühne hierfür als Schutzraum zu begreifen. Niktin, der in seinen Arbeiten immer auch die Biografien der Performer*innen mitverhandelt, zielt mit seiner performativen Theaterarbeit auf die Lücke im Ablauf, »in der die eigene Identität, das ›selbst‹, nicht mehr eine unabdingbare Zwangsläufigkeit ist, sondern eine Möglichkeit«. Im Zentrum steht hierbei die Frage nach den Momenten, in denen jemand sich sein Selbstbild aneignet, sich gegen die herrschenden Werte und Normen wendet, sie als veränderbare Fiktionen benennt und damit an die Öffentlichkeit tritt, um in diese einzuwirken und an der vermeintlich fixierten sozialen Wirklichkeit zu rütteln.
Oszillierend zwischen Verwundbarkeit und Selbstbehauptung, präsentieren sechs Studierende der Studiengänge Dramaturgie und Comparative Dramaturgy and Performance Research ihre Skizzen. Denn wo genau verlaufen die Grenzen eines Selbstporträts und was passiert, wenn jedes »Etwas von sich Preisgeben« uns immer zugleich auch ausstellend in Frage stellt?

Ein Projekt aus dem Masterstudiengang »Dramaturgie«, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Die Arbeit wurde aus Mitteln der HTA, des Instituts für TFM und des Förderfonds Lehre der Goethe-Universität gefördert. Die Studierenden danken Boris Nikitin für die Unterstützung bei der Umsetzung ihrer Skizzen und seine wertvolle Kritik und Björn Auftrag für die dramaturgische Betreuung des letzten Feinschliffs.
Lovely Lovely
Zwischen halbtransparenten Folienbahnen – nicht durchsichtig und noch weniger greifbar – inszeniert Noise Again ein bewegtes Zerfließen in camouflierenden Oberflächen, das sich auf unsere wiederzugewinnende Kontrolle über die von uns im Netz zirkulierenden Bilder bezieht. Das Zerstückeln und Zusammenstückeln von Körpern und Gesichtern rückt dabei als Methode digitaler Technologien zur Speicherung und Wiedererkennung von Daten über Individuen in den Fokus. Permanent produzieren Technologien und Programme digitale »Schatten« von uns, wenn wir uns durch halböffentliche Räume und Netzwerke bewegen.
Doch was, wenn wir uns mit diesen Schatten verbünden? Wenn wir sie nutzen, um bewusst Verschattungen und Verschwommenheiten unseres Selbst zu kreieren und die Sichtbarkeit unseres Ichs aktiv modulieren zu lernen? Noise Again wagt den Testlauf.  

Während der Probenphase der Gemeinschaftsarbeit Noise Again, eines Theaterstücks und Installation, welches Anfang 2018 beim Festival der jungen Talente im Kunstverein Frankfurt gezeigt wurde, entstand der Song Lovely Lovely, der später auch Teil der Performance wurde. Gesondert dazu entwickelten die Studierenden ein Musikvideo. Das auch im Rahmen der Hessischen Theatertage als Werkbeitrag der Hessischen Theaterakademie gezeigt wird.

Ein Film aus dem Studienbereich »Bühnenbild / Szenischer Raum«, Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main.

Diese Produktion wurde unterstützt und gefördert durch: Dr. Marschner Stiftung, Theaterhaus Berlin Mitte, Festival der Jungen Talente Frankfurt, Hessische Theater Akademie.
Hessische Theatertage 2019
Hessens Theaterlandschaft zu Gast in Kassel: Erleben Sie zwischen dem 11. und dem 18. Mai 2019 Schauspiel, Tanz und Performances aus Darmstadt, Frankfurt, Gießen, Marburg, Wiesbaden und natürlich Kassel. Alle Angebote gibt es zu besonders günstigen Preisen!

Eine Woche lang sind institutionelles Theater und die freie Theaterszene an einem Ort vereint und in ihrer Vielfalt im Schauspielhaus, im tif und an weiteren Orten erfahrbar.

Begleitet wird das umfangreiche Programm von Gesprächen, Lesungen, Konzerten und natürlich Partys. Genießen und feiern Sie mit uns! Und stimmen Sie für Ihr Lieblingstheaterstück im Rahmen des Publikumspreises ab.
Besetzung

I Will Not Stay Here Long

Konzept und Performance
Ida Daniel
In Zusammenarbeit mit
Katarzyna Kania, Zrinka Uzbinec, Todor Stoyanov

Sechs Skizzen eines Selbstporträts

AUS|SAGE|KRÄFTIG
Antigone Akgün
Videoarbeit
Christian Schuller
Memorisement
Elena Backhausen
Heute wird eine Seele verkauft!
Ia Tanskanen
Behauptungen
Lilly Busch
gemeinsam getrennt
Andreas Fleck
Zeitreisemaschine
Deborah Raulin

Lovely Lovely

Regie und Produktion
Stella Schimmele
Rauminstallation
Viviane Niebling, Michaela Kraft
Musik und Sounddesign
Miró Rabier, Mason Rent, Peer Neumann
Skulptur
Yuske Taninaka
Künstlerische Assistenz, Regie und Kostüm
Lena Appel
Kostüme
Ksti Hu
Choreografie
Verena Kutschera
Performance
Sophia Bobic
Performance
Anne Gleich
Performance
Maj-Britt Klenke
Performance
Pierre Störig
Performance
Yuske Taninaka