Joachim Król & l'Orchestre du Soleil
DER ERSTE MENSCH

Die unglaubliche Geschichte einer Kindheit nach Albert Camus
Gastspiel
So 26 Jan

Vom Analphabeten-Kind zum Literaturnobelpreisträger: In seinem Roman »Der erste Mensch« beschreibt Albert Camus seine außergewöhnliche Lebensgeschichte. Joachim Król bringt diesen Text auf die Bühne – mit Musik von l'Orchestre du Soleil.
18:00 — 20:10 Uhr
http://www.staatstheater-kassel.de/ Staatstheater Kassel Friedrichsplatz 15, 34117 Kassel

Inhalt
Die Schule ein Ort, der einem den Blick auf das Leben öffnet? Ein junger Schüler, für den das Lernen ein wildes Abenteuer ist, bei dem ihm täglich neue Welten erschlossen werden? Der kleine Albert Camus hat das so erlebt. Moderne Bildungspolitiker und Pädagogen müssen sich irritiert die Augen reiben, wenn sie seine Geschichte hören. In einem sensationellen erzählerischen Parforceritt entführt Joachim Król sein Publikum in dieser emotionalen Theaterproduktion als Ich-Erzähler in eine Welt voller Armut, Lebensfreude und "natürlicher Schönheit." Die Musik des "Orchestre du Soleil" liefert den mitreißenden Soundtrack zu diesem hochaktuellen Stück über das "Abenteuer Bildung", an dessen Ende ein Mann, der als Kind in einer Familie von Analphabeten aufwächst, mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wird.
Es ist die Kindheits-Geschichte des Literaturnobelpreisträgers Albert Camus. In dessen autobiographischen Roman "Der erste Mensch" begibt sich der Protagonist auf die Suche nach seinem Vater, der im Ersten Weltkrieg gefallen ist und den er nie kennengelernt hat. Damit beginnt für den Erzähler eine Reise zurück in seine Kindheit. Er kehrt heim in die Hitze Algiers, in die Armut und die Unschuld.
Er lässt seine Kindheit Revue passieren, beschreibt - so humorvoll wie berührend und in einer Sprache von poetischer Schönheit - die freie Schwerelosigkeit am Strand, in der Sonne, im Meer. Er erinnert sich an die Rebhuhn-Jagd in der Wüste, zu der er mit seinem Onkel oft am frühen Morgen aufbricht - und vor allem: an das Abenteuer Schule, das ihm eine völlig neue Welt eröffnet.

Er erzählt von seiner schweigsamen Mutter im Armenviertel Algiers und der dominanten Großmutter, die nur durch die Unterstützung seines Volksschul-Lehrers davon überzeugt werden kann, dass der Junge ins Gymnasium gehört. Dort, "geworfen in eine unbekannte Welt", der „unschuldigen Welt entrissen", begreift er, "dass ich alles, was ich wollte, erreichen würde, und dass nichts, was von dieser Welt ist, mir jemals unmöglich sein würde."

Der Regisseur und Produzent Martin Mühleis hat mit Bühnenbearbeitungen von literarischen Werken in den vergangenen Jahren große Erfolge gefeiert. Seine beiden Erich-Kästner-Bearbeitungen - Als ich kleiner Junge war und Prost Onkel Erich! - zählen mit mittlerweile fast 500 Vorstellungen zu den erfolgreichsten literarischen Bühnenproduktionen in Deutschland. Zuletzt hat er für die beiden Schauspieler Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl gemeinsam mit dem Komponisten Libor Síma aus Charles Dickens' Die Weihnachtsgeschichte ein musikalisches Sozialmärchen geschaffen. In seinen Bühnenarbeiten hat Mühleis eine eigene Form entwickelt, eine »Architektur aus Sprache, Musik, Lichtdesign und Schauspiel«, wie der Berliner Tagesspiegel es nannte. Es gelingt ihm, Literatur für die Bühne zu adaptieren, ohne sie in Struktur, Rhythmus und Sprache zu verändern. Aus den literarischen Vorlagen entstehen auf diese Weise eigene Bühnenwerke, die den Zuschauer zum Mitgestalter machen. Mühleis' reduzierte, kargen Erzählformen bewirken, dass ein wesentlicher Teil der Geschichte in der Phantasie des Betrachters entsteht.
Seine neueste Arbeit nach Albert Camus autobiographischem Roman Der erste Mensch feierte am 5.01.2018 am Staatstheater Braunschweig Premiere.
Albert Camus
Albert Camus wurde am 7. 11. 1913 bei Annaba (Algerien) als zweiter Sohn einer europäischen Einwandererfamilie geboren. Der Vater, ein Franzose, fiel 1914 im Krieg, die spanischstämmige Mutter musste die Kinder als Putzfrau ernähren und der dominanten Großmutter zur Erziehung überlassen. Camus wuchs in einem armen Stadtviertel Algiers auf. Dort besuchte er die Ecole primaire; 1924 konnte er als Stipendiat in das Lycée von Algier eintreten. Nach dem Abitur nahm er sein Philosophiestudiums an der Universität von Algier auf, das er durch Gelegenheitsarbeiten finanzierte. Gleichzeitig unternahm er erste schriftstellerische Versuche und gründete das "Théâtre du Travail". Er lernt André Malraux kennen. 1934 erste Ehe, die 1940 geschieden wurde.

1938-1940 Arbeit als Journalist bei der progressiven Zeitung «Alger républicain» (später «Soir républicain»). Camus` Artikelfolge über das Elend der algerischen Landbevölkerung und das Verbot der Zeitung machten ihm eine weitere berufliche Betätigung in Algerien unmöglich. 1940 Übersiedlung nach Frankreich.

Mit seiner zweiten Frau, Francine Faure, kehrte er 1941 nach Algerien zurück, wo beide als Lehrer arbeiteten. Der Werkszyklus des Absurden erscheint –"Der Fremde", "Der Mythos des Sisyphos" und "Caligula". 1942 Kuraufenthalt im französischen Bergland. Eine Anstellung als Lektor bei Gallimard und die Zugehörigkeit zur Résistance - Camus übernahm 1944/45 die Leitung der Widerstandszeitung «Combat» - banden ihn zunehmend an Paris. 1943 erscheinen die "Briefe an einen deutschen Freund", 1947 kommt die "Die Pest" heraus. 1949 Premiere seines Stücks "Die Gerechten". Freundschaftliche Beziehungen zu Sartre und dessen existenzialistischem Kreis. 1946-1952 Reisen in die USA, nach Südamerika und mehrmals nach Algerien.

An der mit Härte und Leidenschaft geführten Debatte um «Der Mensch in der Revolte» (1951) scheiterte die freundschaftliche Beziehung zu Sartre. 1957 wird Albert Camus der Nobelpreis für Literatur verliehen. 1958 begann er mit der Arbeit an dem Roman «Der erste Mensch». Am 4. Januar 1960 verunglückte Camus bei einem Autounfall tödlich. Im Wrack des Unfallwagens wird das Manuskript des Romans gefunden. Es dauert 34 Jahre, bis im Jahr 1994 dieses herausragende Werk postum veröffentlicht wird.


Joachim Król – Rezitation
Nach dem Abitur studierte Joachim Król Theaterwissenschaften in Köln und von 1981 bis 1984 Schauspielerei an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule in München. Anschließend spielte er an den Schauspielhäusern in Bochum, Basel, Hannover und München, etablierte sich aber auch gleichzeitig als Film- und Fernsehschauspieler.
Mit seiner Rolle als Rudi Kipp in Detlev Bucks Roadmovie „Wir können auch anders“ wurde Joachim Król 1993 einem breiten Kinopublikum bekannt und erhielt für diese Darstellung, seine erste Hauptrolle, den Deutschen Filmpreis. Ein Jahr später folgte sein Durchbruch mit Sönke Wortmanns Kinofilm „Der bewegte Mann“ in der Rolle des schüchternen Schwulen Norbert, für die er erneut mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet wurde. Nach Filmen von Tom Tykwer, Doris Dörrie, Helmut Dietl, Wim Wenders und anderen namhaften Regisseuren ist Joachim Król mit seiner zurückhaltenden Darstellung aus der deutschen Kinolandschaft nicht mehr wegzudenken.
Er gilt als einer der versiertesten Charakterdarsteller des deutschen Films.

Seit dem Jahr 2000 machte sich Joachim Król außerdem einen Ruf als TV- Kommissar: Zunächst war er in vier Donna-Leon-Verfilmungen als Commissario Brunetti zu sehen, bevor er von 2007 bis 2010 als »Lutter« für das ZDF ermittelte. 2011 trat er gemeinsam mit Nina Kunzendorf die Nachfolge von Jörg Schüttauf und Andrea Sawatzki im Frankfurter »Tatort« an und spielte bis 2014 die Rolle des Hauptkommissars Frank Steier. Aktuelle Projekte sind der von der Kritik gefeierte TV-Film »Über Barbarossaplatz« sowie »Brechts Dreigroschenfilm«, der im Frühjahr 2018 in die Kinos kommt. Trotz seiner internationalen Erfolge im Film- und Fernsehgeschäft zieht es ihn aber immer wieder zurück auf die Bühne. Zuletzt stand er in der Inszenierung von Jan Bosse in Ingmars Bergmanns "Szenen einer Ehe" auf den Bühnen des Hamburger Thalia Theaters, des Deutschen Theaters in Berlin und des Schauspielhaus Stuttgart. Seit vier Jahren begeistert er sein Publikum in der sagas-Produktion »Seide« im ganzen deutschsprachigen Raum.


Besetzung
Joachim Król - Rezitation
Maria Reiter - Akkordeon
Samir Mansour - Oud
Jerome Goldschmidt - Percussion
Ekkehard Rössle - Bass-Klarinette, Saxofon
Christoph Dangelmaier - Bass, Bass-Ukulele
Lucia Faust - Kostüme & Bühnenbild
Birte Horst - Lichtdesign
Christoph Dangelmaier - Komposition
Martin Mühleis - Textbearbeitung, Produktion, Inszenierung