Hinter der Bühne

Neben den zahlreichen Darsteller*innen auf der Bühne gibt es am Staatstheater Kassel eine Vielzahl an Gewerken. Von der Schuhmacherei, der Requisite über Schreinerei und Malsaal bis hin zur Maskenwerkstatt und Schneiderei: Was auf der Bühne zu sehen ist, wird zum größten Teil im Haus produziert.

Auf dieser Seite möchten wir Ihnen ein paar Einblicke hinter die Kulissen geben.

Die Maske

Chefmaskenbildnerin Helga Hurler über ihre Arbeit
HELGA HURLER leitet seit 2003 die Maske am Staatstheater Kassel. Sie hat in Augsburg Maskenbild gelernt, anschließend Germanistik, Kunstgeschichte und Psychologie studiert. Sie arbeitete am Theater Augsburg als Regieassistentin und später auch als Regisseurin, um schließlich zur Maskenbildnerei zurückzukehren.
An wie vielen Produktionen wird in der Maske gleichzeitig gearbeitet? 
Grundsätzlich an mindestens drei Produktionen gleichzeitig (Opernhaus, Schauspielhaus, tif), manchmal aber auch an fünf bis sechs Produktionen. Zum Spielzeitanfang werden zum Beispiel oft zwei Produktionen in allen Häusern parallel probiert, die wir ausstatten müssen.

Wie viele Personen arbeiten in der Maske?
Zur Zeit sind wir mit unseren beiden Azubis 19 Maskenbildner*innen. Das klingt viel, es sind aber sehr viele Teilzeitkräfte dabei. Laut Ministerium sind 13 Vollzeitstellen plus zwei Azubis vorgesehen.

Was gehört alles zur Arbeit der Maske?
Wir stellen praktisch alles her, was ein*e Darsteller*in am Kopf oder Körper braucht, um sich in eine Bühnenfigur/rolle zu verwandeln: Perücken, Bärte, Masken usw. Wir legen zum Beispiel auch Schläuche oder Blutkissen am Körper, wenn jemand bluten soll.
Im Abenddienst schminken wir die Darsteller*innen und stellen Frisuren aus dem eigenen Haar her oder setzen ihnen Perücken auf. Wenn auf der Bühne ein abgeschlagener Kopf oder ein anderes Körperteil gebraucht wird, nehmen wir Abdrücke von den Darsteller*innen. Auch die »Körper« der Sänger*innen in Idomeneo wurden von uns selbst gefertigt. Sie bestehen aus einem speziellen hautfreundlichen Silikon und werden getragen wie Kostüme.
Und man darf auch nicht vergessen, dass all die Maskenzutaten, die auf der Bühne sind, regelmäßig gewaschen und gereinigt und neu frisiert werden müssen.

Was ist das Besondere an dem Beruf?
Das Besondere an unserem Beruf ist, dass es nie langweilig wird:
Es gibt immer neue Trends, ungewöhnliche Herausforderungen und neue Materialien.
Es kommen ständig neue Regie- und Ausstattungsteams mit eigenen kreativen Visionen, in die wir uns als Maskenteam hineindenken müssen, um diese Vorstellungen und Wünsche umsetzen zu können.
Die Verwandlung in der Maske

Schauspieler Lukas Umlauft wird zu Wolfang Amadeus Mozart

Fotos: Marina Sturm
Für unser Weihnachtsmärchen Cinderella in der Spielzeit 2019-20 verwandelte sich Schauspieler Lukas Umlauft mit aufwendiger Perücke, Maske und buntem Kostüm in Wolfgang Amadeus Mozart.

Fotos: Marina Sturm

Sänger Lothar Odinius wird zu Idomeneo

Einer noch extremeren Verwandlung unterzog sich Sänger Lothar Odinius in der selben Spielzeit als vom Krieg gezeichneter Idomeneo in Mozarts Idomeneo, Re di CretaMit viel Liebe zum Detail modellierten und schminkten unsere Maskenbildner*innen Wunden und Narben, um ein wahrhaft beeindruckendes Maskenbild zu schaffen. Die HNA hat Maren Engelhardt und Lothar Odinius vor einer Vorstellung in die Maske begleitet und mit ihnen über ihre Verwandlung in Idamante und Idomeneo gesprochen. Den Bericht finden Sie hier.

Fotos: Marina Sturm
Modellage und Perücken
Fotos: Marina Sturm
Glückwunsch, Sie haben die/das ZAUBER-EI entdeckt! Viel Spaß bei der weiteren Eiersuche! Alles zu unserer Ostereiersuche unter https://www.staatstheater-kassel.de/download/5959/ostereiersuche_staatstheater_ks.pdf
Die Entstehung der Candide-Perücke
An der gelben Perücke, die Tenor Daniel Jenz in Candide trägt, arbeitete die Maskenbildnerin Lilly Albishausen ca. 60 Stunden. Zwischen der ersten Besprechung mit der Kostümbildnerin Brigitte Schima am 5. November 2019 und der 1. Hauptprobe am 16. Januar 2020 lagen ca. 10 Wochen. Das klingt zunächst nach viel Zeit, ist aber wenig, wenn man bedenkt, dass die Mitarbeiter*innen abends auch alle Vorstellungen betreuen und nur ungefähr die Hälfte der Arbeitszeit in der Werkstatt mit Anfertigungen verbringen. Für Candide wurden insgesamt um die 70 Perücken und etliche Masken benötigt. Perücken bestehen sehr häufig aus echtem Haar, das von den Maskenbildner*innen in Handarbeit verknüpft wird. Für Candide wurde aber auch mit verschiedenen Kunsthaaren gearbeitet, z.B. mit einer speziellen Faser, die Betex heißt und einige Perücken konnten fertig dazugekauft werden.

Fotos: Marina Sturm
Die Löwenmaske aus Candide
Insgesamt fünf Wochen arbeitete Maskenbildner Konstantin Melchger an der Löwenmaske für Candide. Sie besteht aus »Worbla«, einem thermoplastischen Material, das sich unter Hitze in die gewünschte Form bringen lässt. Parallel zur Löwenmaske fertigte er auch die beiden ebenfalls sehr aufwändigen Schafsmasken (s. unten rechts im Bild) für die gleiche Produktion an.

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